Du weißt, dass es nach Hause geht, wenn du deine Wäsche die du tragen wirst im voraus planst. Du weißt es, wenn du kaum noch zu Hause anrufst- immerhin hat man sich in ein paar Tagen wieder.

Plötzlich taucht Burgstädt bei der Wetter.com Seite vor Chişinău auf.

Mittlerweile sind wir Zuhause und haben den Großteil unserer Familie gesehen. Diesen Eintrag schreibe ich nur für mich, weil es mir gut tut, das Jahr richtig zu beenden.

Was so los war…

Albans Geschwister statteten uns noch einen letzten Besuch ab, dessen Krönung ein Gewitter in der Berglandschaft Orheis war. Sonst sind es immer die anderen gewesen, die komische Gerüche im Minibus ausgesondert haben, an diesem Tag waren es wohl wir.

Mittlerweile ist unsere Wohnung eine WG mit Giacomo aus Italien, was gar nicht so schlimm wie befürchtet ist.

Viel zuhause sind wir eh nicht. Unsere Kinder kommen jeden Tag um 9 Uhr und bleiben bis fünf. Sechs Tage voller Energie.  Dazu gehören auch Vorbereitung und Theaterproben aber eben auch Pizza und viel Spaß mit den Nationalen Freiwilligen.

Sprachlich ist unsere Sommercamp Picteaza vara in Culori eine Herausforderung, da die Kinder im Alter von 7-10 sechs schnell checken, dass sie dir auf der Nase herum tanzen können, wenn sie so tun als würden sie dich nicht verstehen.

Wenn ich so zurück denke…

…weiß ich, dass ich nie Probleme mit Abschied hatte. Von keiner Schule viel es  mir schwer und auch nicht am Busbahnhof in Deutschland gegenüber meiner Familie. Bin ich deswegen ein schlechter Mensch?

Denn hier viel mir ein Abschied sehr wohl sehr schwer. Im Kindergarten von unseren Erziehern und natürlich von all meinen kleinen Freunden.

Ansonsten? Was Bleibt nach einem Jahr im Osten Europas?

Viele Eindrücke von wunderschönen, aber unterschätzten Ländern. Neue Bekanntschaften. Das Tor zu zwei neuen Sprachen welche sich vielleicht noch weiter öffnet.

Eine Beziehung, die wenn sie das überlebt hat, alles weitere schafft.

Neue Rezepte. Mehr Spontanität und Gelassenheit. All das nehme ich mit.

Was ich nicht wusste als ich diese Zeilen schrieb, dass das alles nicht zählen wird. Denn der Mensch sieht nur was vor Augen ist- und Frances die ist jetzt dick. Doch dazu später.

Und was bleib in Moldawien? Ich hoffe es ist etwas mehr, als eine weitere Freiwillige in der Folge Vieler.

Im Kindergarten war ich die Erste und ich hoffe, einen guten ersten Eindruck hinterlassen zu haben.

Am letzten Tag des Sommercamps gab es noch eine kleine Überraschung-Julia, unsere liebe Mentorin im ersten Monat, besuchte uns. Sie führt mittlerweile das klassische moldawische Leben- ihr Finger ziert ein Verlobungsring und gemeinsam mit ihrem Zukünftigen geht es für sie bald nach Frankreich. Hauptsache raus aus Moldawien. Und ausgerechnet sie, die ihr Heimatland so hasst, arbeitet im Tourismus.

Was gibt’s nun in Burgstädt? Was ich gelernt habe-das Burgstädtsyndrom, gibt es überall. Auch in unseren Stattviertel in Chişinău ist es mittlerweile eine Sünde im Supermarkt nicht zu grüßen. Mittlerweile wissen alle über die seltsamen politischen Einstellungen der 2 Deutschen Bescheid. (Mihai hat uns darüber aufgeklärt, warum er „Mein Kampf “ legal auf Russisch liest und warum Rassenvermischung schlecht ist, wobei mir bei diesen Worten übel wird)

Also ab nach Frankfurt, einen super Flughafen und mit dem ICE zurück nach Hause, wo uns ein herrliches Sommergewitter begrüßt.

Und jetzt meine Abrechnung mit Spießerdeutschland. Ich bin seit 4 Tagen zurück und ich verabscheue dich. Die Afd ist plötzlich wieder ein reales Problem, Klimawandel, all das war ein Jahr lang Medienbericht und nun ist es wieder da.

Was ich nie wollte, war euch allen von dem Jahr zu erzählen. Denn über ein Jahr im Ausland kannst du genauso viel anfangen wie ich mit dem letzten Urlaub am Gardasee- die Bilder sind hübsch, doch am Ende füllt es 20 Minuten Gespräch und dann wendet man sich der Zukunft zu.

Ich dachte, mit dem Auslandsjahr könnte ich eine neue Liebe zu Deutschland finden. Doch dem war nicht so. Denn hier bin ich ein Kuriosum, welches mit 19 weiß, mit welchem Mann sie ihr Leben verbringen wird und welches statt einer XS/S nun eine M/L als Kleidergröße trägt. Hier in Burgstädt muss ich mich von Alban beschützen lassen, hier zählt nicht, dass ich ohne ihn nach Indien oder in den Kaukasus gegangen wäre.

Ich habe euch alle gern, aber ich gehöre nicht hier her.

Klar, Rossmanns Teesortiment ist super und das heimische Bett auch. Ich verbringe gern Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Aber Deutschland macht es Fremden nun mal nicht leicht.

Und damit beende ich mein Jahr mit 3 Zitaten.

Der Mensch sieht was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz.(Die Bibel)

Weg von hier, das ist mein Ziel. (Franz Kafka)

You only miss the sun when it starts to snow…

An dieser Stelle-uns verschlägt es nach Erfurt. Vorerst. Ich habe mich gegen ein Studium in Richtung Politik oder Geschichte entschieden, weil ich gerne schnell einen fundierten Beruf nach gehen möchte. Mit Pädagogik kann ich wieder in eine Kita oder ich gehe in Richtung Hospizarbeit.

Aber am Ende geht das nur mich etwas an.

Danke fürs Lesen, Begleiten und Spenden. Mit diesem Jahr ist mein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen. Es war nicht alles perfekt, und genau das, was es so besonders gemacht hat. ich bin überzeugt einen guten dienst geleistet zu haben.

Ich würde nicht sagen, dass Moldawien mein zweites Zuhause ist. Sonder, dass die Welt sich mir ein Stück mehr geöffnet hat. Wenn du weggehst, dann schließt sich scheinbar auch immer ein wenig die Tür deines alten Zuhauses.

Doch das nehme ich in Kauf. Vielleicht verschlägt es mich noch einmal in den Osten Europas. Dann mit Russisch und mit einem fundierten Studium. Bis dahin La revedere & drum bun. Tschüss und eine gesegnete Reise.