Sera buna!!! Ich sitze auf meinem Bett, mehr oder minder bequem und im Kühlschrank wartet Wein und Schokolade aus der Ukraine auf mich. Das gibt’s aber erst, wenn ich die Fähigkeit, Rechtschreibung zu erkennen und zu nutzen nicht mehr benötige. Der letzte Artikel ( ich musste ihn lesen, weil er bereits so lange her ist) war ja ein Grauen. Warum sagt mir das keiner?!

Ich versuche gerade noch alles zu verarbeiten. Am liebsten würde ich euch sofort über unser Seminar berichten, aber da sind ja noch ein paar Tage mehr…

Vieles wurde von den Ereignissen der letzten Woche in den Schatten gestellt. Aber ich versuche mal, mich zu erinnern.

Da ist zum einen der 13.01. gewesen. Geburtstag im Ausland. Bereits meinen 18. verbrachte ich in Dresden. Ich mag Geburtstage. Nicht, weil ich mich für besonders wichtig erachte, im Gegenteil. Aber Geburtstage sind ein Anlass für Pakete und Kuchen. Leider misslang mir Letzerer und Alban musste mir einen Neuen backen. Das hat ihn 1000 Pluspunkte bei unseren Küchendamen eingebracht. Ein Mann der backen kann? :O Wenn ich gewollt hätte, hätte ich feiern können. Justine hatte nämlich einen Tag nach mir. Am Freitag gab es bereits eine Überraschungsparty für sie. Ihre WG-Freunde hatten ihre beste Freundin aus Frankreich einfliegen lassen.

In der Oper/Ballett

Ich weiß ja, wie es ist, Menschen zu vermissen. Daher wollte ich trotz erneuter Erkältung gerne dabei sein. Wir landeten in einer interessanten WG. Für die Einrichtung können die Freiwilligen freilich nix, ist ja von der Organisation gestellt. Wieder einmal mehr ein Indiz, dass es uns zu gut geht.

Nun ja, am 13.01. gab es dann die big party , die ich einfach sausen ließ. Ich werde immer diejenige sein, die sich nur am Glas festhält. Dennoch war es ein super schöner Tag, vor allem dank Alban und meiner Familie, mit der ich ausgiebig telefonieren konnte.

Mitbringsel 🙂

Die darauffolgende Woche war geprägt von Aufregung auf die Ukraine.

Eine kleine Arbeitsstory gibt’s trotzdem: Eigentlich sollte Montagnachmittag Seniorengymnastik sein. Aber die Senioren hatten nach dem Essen darauf keine Lust. Deswegen holte ich das „Halli Galli“ extrem und wir spielten 1 1/2h. Es wurde so viel geschummelt wie noch nie. Aber es hat allen unglaublichen Spaß gemacht. 🙂

Leider erfuhren wir auch etwas Negatives. Das kommt davon, wenn man nachfragt.

Um alles zu verstehen, erkläre ich unsere Arbeit noch einmal näher: Von 12:00-13:00 und 13:00 -12:00 haben wir Essendurchgänge. Ca. 120 Menschen bekommen hier eine Suppe, ein Hauptgericht (ukrainische bzw. moldawische Küche) und Brot, Tee und Gebäck. Der erste Durchgang ist staatlich gefördert, der zweite von den Maltesern. Wer zum ersten Essen kommt, entscheidet also nicht die Casa Providentei sondern die Stadt. Hauptsächlich sind es Senioren aber auch Menschen mit Einschränkungen. So wie die eine Dame der besonderen Art. Keiner weiß genau, was ihr den Anspruch gibt, bei uns Essen zu bekommen. Aber auch ich bin der Meinung, jeder verdient erst einmal Hilfe, egal aus welchem Grund. Nun war in den letzen Wochen das Fernsehen plötzlich da. Wir würden den Menschen verdorbene Spießen geben und Essen klauen, waren die  Vorwürfe. Bereits im Dezember war eine Hygienekontrolle da gewesen, und hatte den ganzen Tagesrhythmus lahm gelegt.

Diese Dame bewachte das erste öffentliche Klo in Lviv. In diesem Restaurant gibt es auch super Essen 😉

Vielleicht habt ihr jetzt einen kleinen Schock bekommen. Ich kann euch versichern, unser Essen ist nicht nur lecker sondern auch vollkommen in Ordnung. Die besagte Dame, hat keinen Grund, sich bei jeder Institution zu beschweren. Einzig und Allein die Tatsache, dass sie nicht immer als erste bekommt, könnte ein Grund sein. Ansonsten bleibt uns dieses Verhalten ein Rätsel. Was ich damit ausdrücken will: In sozialen Einrichtungen, in Moldawien so wie in Deutschland treffen nur MENSCHEN aufeinander. 90% sind dankbare Bürger. Aber es gibt überall Ar*\**lö*****.

Lange Rede, kurzer Sinn. Der Wein ist mittlerweile offen und die Schokolade auf den Weg in meinen Bauch.

Endlich kann ich von Lviv, Lemberg oder Lwow erzählen- eine Stadt mit vielen Namen und noch mehr Gesichtern. Lviv steht für Löwe, der Name des Gründervaters.  Was uns dort hinführte? Es war Zwischenseminar und wir wollten uns mit den anderen Weltwärtsfreiwilligen treffen 🙂

Dieser werte Herr wacht über die Zeit und die Löwen in Lviv. Seine Aufgabe ist es zu dem, die Schornsteine der Stadt zu putzen…

Am 20.01 erreichten wir nach nur 12h Busfahrt den Bahnhof. Geplant waren 18h. Doch der Bus war fast leer, anders als in Richtung Rumänien. So kam es, dass uns der Busfahrer unerwartet 7:15 aus dem Schlaf riss. „Finish“ nuschelte er mit sympathischem russischem Akzent. 🙂 Etwas überfordert stolperten wir also auf den Bahnhof zu, und zahlten erstmal ca. 1 € um uns in der warmen Wartehalle Gedanken zu machen, wie man nun zur Unterkunft kommt, ohne kyrillisch lesen zu können. Mit der Maschrutka 10 ging es dann los und wir fanden zwischen den Sowjetblöcken unsere Herberge. Ich fühlte mich wie beim Sandmännchen, als es mit dem roten, eckigen Auto die Kinder im Neubau besucht. Eben dieses Auto stand vor der Tür. Ein netter Opa zeigte uns unsere Zimmer. Er verstand Deutsch und auf die Frage: „Was sprechen sie denn noch? “ machte er das Rock n Roll Zeichen und meinte „Ich bin ein ukrainischer Großvater.“ Wer fühlt sich da nicht gut aufgehoben? 😉

Hilfe bekommt er von diesem Auto, damit er über die Dächer fliegen kann und nicht durch die engen Gassen muss.

Es gab tatsächlich warmes Wasser und ein Bett was ich gleich exportiert hätte. Insgesamt waren wir 8 Freiwillige aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Moldawien und der Ukraine. Mit 2 Gruppenleitern waren wir 10 Personen und damit die beste Seminargruppe, die man sich wünschen konnte. Das Sandmannhotel hatte eine Küche die meinen Hosenbund strakt strapazierte. Eierkuchen mit kandiertem Joghurt, Krautsalate, Rotebeeteeintopf, Kartoffelbrei: Lecker!!!! Wahrscheinlich dachten die Küchenfeen, wir wären alle kurz vor dem Hungerstot. Jeden Tag gab es mehr. Der Aufenthalt regte mich dazu an, darüber nachzudenken was eigentlich ein typisch moldawisches Frühstück ist. Denn die Sportlerkids, welche mit uns beim Sandmännchen waren bekamen jeden Morgen Nudeln, Käse und Würstchen.

Jüdisches Restaurant- hier wird um die Preise verhandelt

Auch bei uns ging dieses Mahl nicht vorüber: Nudeln, jede Menge Ei, aber auch Kuchen und Käse fühlten unseren Tisch.

Frühstück

Zuhause weiß jeder: Franci trinkt keinen schwarzen Tee. Nun ja, jetzt schon. Am besten ohne Aromen und dafür mit wenig Zucker aber Milch. Osteuropa ändert meine Essensprinzipen. 😛

Aber auch so, verändert mich diese Gegend. Für manche Veränderungen ist es nur leider zu spät. Während der Busfahrt überlegte ich, dass ich eigentlich 0 Plan über Europa habe. Jaaah gut, ich kenne die Hauptstadt von Frankreich und Großbritannien.  Ich weiß wer dort regiert. Aber was weiß ich über die Ukraine?! Oder Albanien? Der Kosovokrieg? Nix. Sicher, Europa ist Stoff der 6. Klasse. Aber a) hatte ich gute Geolehrerinnen erst ab der 7.Klasse, b) war Geografie selbst mit der Topografie Afrikas noch langweilig. (In den Kopf pupertierender Mädchen und Jungen ist nun mal kein Platz für die Hauptstadt Südafrikas) , c) bei Länderpräsentationen nimmt jeder das Land, was er gerne bereisen würde: Kroatien ( fast Bosnien), Griechenland ( nah dran an Albanien) oder Indien ( Teile Russlands zumindest auf dem gleichen Kontinent)

Am Geografieunterricht konnte ich die Schuld also maximal bei mir selbst feststellen. Geschichte? Ab der 10. Klasse wurde der Lehrplan freier. Wenn ich heute jemanden sage, dass mein Prüfungsthema Lenin und die Oktoberrevolution war, sehe ich immer noch Augen die verstört  gucken.

Leute, wenn ich was gelernt habe, in den letzten 5 Monaten, dann, dass ihr für ein Abenteuer nicht nach Thailand oder Neuseeland müsst. Für einen solchen Trip braucht man keine 1000€ . Wir leben in Europa und kennen unseren Osten nicht.

Sandmännchen – Flair

Doch nun zum Inhalt. Im Seminar ging es um unsere Erfahrungen. Wir gaben uns gegenseitig Ansporn und Ideen, wie wir Schwierigkeiten in den Stellen bewältigen können. Ich weiß jetzt, dass ich unbedingt einige Gespräche führen muss, mir überlegen sollte, ob Russisch doch noch sinnvoll ist und ich habe eine Menge Projektideen. Während es mir hier manchmal zu viele Freiwillige sind, Gruppen in die ich nicht so ganz rein passe, weil ich nach dem 2 Bier Schluss mache, werde ich unsere Gruppe der letzten Tage richtig vermissen.

Ich würde euch Lemberg gerne schmackhaft machen ohne zu viel zu verraten.

Am 24.01. besuchten wir das Ballet „Giselle“. Die Musik, die Kostüme und der Ausdruck waren einfach klasse. Dazu die Ambiente des Opernhauses… einfach schön. Ballett-Fan bin ich immer noch nicht, (zu viel Gehopse) aber es lohnt sich mal zu gucken. Zumal die Ukraine sehr günstig in den Preisen ist. Günstiger als Chişinău.

Traumauto

Ich bin auch kein Fan von Stadtführungen. Schon gar nicht bei -2 Grad Celsius (wärmer als erwartet). Aber wir hatten eine super Stadtführerin. Anna ist Geschichtsstudentin in Lviv. Die arme muss Latein auf einem B2 Niveau verstehen, weil die Stadt bis ins 18.Jahrhundert Latein als Verkehrssprache hatte.

Aufmerksamkeit erweckte sie aber nicht durch ihr super Deutsch, sondern ihre Kleidung: Die Füße in schwatzen Wildlederstiefeln mit Absatz. Ein weißer Pelzmantel, wofür zumindest ein Albinohase und im schlimmsten Fall ein Eisbär ihr Leben gegeben haben. Dazu rote Handschuhe, ebenfalls Leder und dazu passender Schal und Mütze. Ich habe noch nie so viel Tier an einem Menschen gesehen. Aber das ist in der Gegend sowieso üblich und ich schaffe es nicht, alle dafür zu verurteilen. Annas Lieblingswort war „interessant“. Alles war interessant. Ihr viel an jeder Ecke eine neue Legende ein und so waren die 2h nie langweilig.

Wir besuchten noch eine Konsulin (sehr temperamentvoll), eine soziale Einrichtung für Kinder ( super lustig) und die Schokoladenfabrik (  sehr lecker). Zu jedem Tag kann ich eine eigene Geschichte erzählen. Aber ich verrate euch nix weiter. Aber falls Netflix gerade nichts mehr zu bieten hat, oder ihr Fernweh habt, ihr ein paar Seiten, die euch helfen können: https://www.youtube.com/watch?v=7gQoFb8oSvY    https://www.youtube.com/watch?v=IjBoAqXhFCM  https://www.youtube.com/watch?v=J_6kVXXqBbc  https://www.youtube.com/watch?v=8_yWkElNNRE

Letzeren Films bedarf es eine Erklärung. In „Mama illegal“ geht es um moldawische Frauen, welche illegal in Westeuropa tätig sind. Heute ist es für die wenigsten noch illegal, da mit dem Eintritt Rumäniens in die EU alles leichter wurde. Moldauer können leicht einen rumänischen Pass beantragen, indem nachgewiesen wird, Vorfahren in der Zeit gehabt zu haben, wo Rumänien und Moldawien ein Land waren.  Ca. 1,5 Millionen haben diesen Pass. Mit einem EU-Pass ist es auch nicht mehr illegal in einem anderen Land zu arbeiten. Das klärt die Problematik der Abwanderung nur leider nicht. Immer mehr Kinder wachsen bei ihren Großeltern auf, da es so leicht ist im Ausland zu arbeiten.

Leopold von Lachei – Masoch -Begründer des Masochismus. Mensch sollte nicht in seine Hosentasche fassen 🙂 In der Bar kann dieser Fetisch wohl gut ausgelebt werden

Wer weitere Infos benötigt, wird beim Auswärtigen Amt fündig, welches sogar eine App anbietet.

Vor uns liegt nun ein Wochenende, neue Rezepte auszuprobieren und in Erinnerungen zu schwelgen.

Home sweet home, ist meine Überschrift. Moldawien ist es nicht allein. Aber Europa und vor allem sein Osten sind es immer mehr.

Die Oper mit ihren Figuern- die mittlere ist schwanger und keiner weiß, warum der Künstler das so wollte. Eines der vielen Geheimnisse der Stadt…

Von zwei Grenzerfahungen gibt es noch zu berichten. Heute, mitten in der Nacht wurde eine junge Mutter mit ihren zwei Kindern an der ukrainischen Grenze stehen gelassen. Der Keine war vielleicht 1 Jahr alt. Es gab Unstimmigkeiten mit den Pässen. Wessen Schuld ist das? Die der Mutter?? Die des Busfahrers, welcher der Familie noch Geld gab, damit sie überhaupt etwas hatten? Die Der Grenzbeamten, die ihren Job los wären, wenn sie ihre Arbeit falsch machen würden? Ich weiß es nicht. Aber : ein Hoch auf offene  Grenzen und einem deutschen Pass der dir so viel Freiheit gibt.

Mit dem Seminar wird auch bewusst, dass es nur noch 7 Monate hier sind. Die Halbzeit rückt näher. Dann heißt es die deutsche Grenze zu passieren und sich dem Studium zu widmen.  Es wird schwer werden, unsere Freiheit ein Stück kürzen zu müssen. Doch daran wird noch nicht gedacht.

Ich hoffe euch Neugierde beschert zu haben.

Bis bald 🙂

P.S.: Wir haben im Rahmen des Seminars eine Übersicht aller Spenden bekommen. Noch mal ein fettes DANKE, an alle die uns unterstützen.

P.S.S: Du suchst noch einen Weg nach der Schule?  Der ICE bringt dich durch Europa, aber auch nach Indien und Bolivien.  Wenn du noch nicht volljährig bist , geht es für dich vielleicht nach Frankreich, Mazedonien oder Großbritannien? Die Bewerbung ist es wert und das Jahr auf jeden Fall auch 🙂

www.freiwilligendienst.de