Recht froh, dass diese Woche um ist, Grüße aus dem Osten:

Es gibt Dinge, die man nicht vorausplanen kann, die aber deine Pläne komplett sabotieren.

Albans Körper setzte ihn diese Woche kurzerhand auf eine Art Zwangsdiät und weigerte sich Nahrung überhaupt aufzunehmen. Dass uns dieses Krankheitsbild irgendwann ereilt, habe ich schon geahnt, nur dass es in den ersten 4 Wochen sein muss, war nicht geplant. Wer mich kennt, weiß, dass ich in solchen Situationen mich am liebsten mit einer großen Desinfektionsflasche im Bett verstecken würde. Aber in dem Boot sitzt man einfach gemeinsam, wenn die Wohnung beiden gehört und man auch noch einen Beziehungsstatus hat 😉 . Am Ende der Woche kann ich stolz sagen: “ Ich bin sehr erwachsen damit um gegangen.“ Naja fast. Im Bett verstecken konnte ich mich natürlich nicht. Doch was tut mensch, wenn seine bessere Hälfte im Bett liegt? Wer hilft einem bei Fragen wie: müssen wir jetzt zum Arzt? Brauchen wir einen Krankenschein? Wie lange darf in Moldawien zuhause geblieben werden? Was kostet der Arzt? In solchen Situationen knipst mein Kopf eine Blitzreaktion: Mama anrufen. Ja, das ist nicht erwachsen, ich weiß. Aber jemanden zu haben, der dir zwar sagt:“ Da musst du jetzt durch, aber ihr schafft das schon,“ bewirkt Wunder.

Patria, das lat. Wort für Heimatland, ist in Deutschland nur in der nationalen Ecke zu finden. In unseren Texten für Rumänisch ( für einheimische Kinder der 2. Klasse) findet sich immer purer Patriotismus. Verurteilen kann ich das nicht. Viele verlassen ihre Heimat gen Westen und dieses Nationalbewusstsein hilft sicher, in einem Land wie Molawien zu leben. Ungewohnt ist es dennoch.

Wie ich feststellen durfte, geht man hier sehr kulant mit den Freiwilligen um. Ich weiß von meinen längeren Praktika in DT, dass im Krankheitsfall sofort ein Krankenschein benötigt wird, ansonsten könnte man ja blau machen. Das deutsche FsJ wird ebenso sein. Wir brauchten keinen Arzt aufsuchen, wahrscheinlich auch, weil unsere Mentorin uns diese Erfahrung ersparen wollte. Es ist nämlich wie folgt: Zwar gibt es eine Krankenversicherung in die sehr viel eingezahlt wird, du aber nicht so viel herausbekommst. Diese zahlt einem das Bett (nur das Bett, ohne Behandlung) im Krankenhaus und manchmal auch einen kleinen Teil von Antibiotika. Die Aussage Yulias war: “ Wenn sie sehen, wo ihr herkommt, wollen sie nur euer Geld. Mir hat der Arzt auch nur mit 100 Leu geholfen. “ ( Das ist richtig viel für sie) Also kein Arzt, dafür eine Apotheke, vor allem weil mir empfohlen wurde mal was zu hohlen. Das allgemeingültige Statement ist: In Moldawien hilft man sich selbst, nicht der Arzt. Also machte ich mich auf und vermisste einmal mehr Mamas Fachkunde. Ich möchte an dieser Stelle mal einen kleinen Überlebenstipp abgeben: LERNT ENGLISCH! Was das nützt? Ihr könnt Leuten helfen! Ich fand erst in der 3. Apotheke jemanden der Englisch konnte. In vier Wochen eine Krankheit auf Rumänisch zu beschreiben wäre unmöglich für mich. Aber Englisch ist eine verhältnismäßig leichte Sprache und ich bereue es zu tiefst, das nicht schon in der Schule bemerkt zu haben. Leider war das Pulver dann auf Russisch, aber wir haben nicht angefangen grün zu strahlen 🙂 .  Meine Zeit in der ich darauf wartete, Sympathien für diese Diät zu entwickeln verbrachte ich mit Kartoffelschälen. Der Bürokratiekrieg war vorerst aufs Eis gelegt. Leider. Yulia hat nun offiziell gekündigt und mit ihr scheint es, als sei mein Tor zur Arbeits – und Lebenswelt zugefallen. Natürlich gibt es Ersatz: Mihai. Ein netter Mann Mitte 20 (vermutlich) der meines Erachtens ebenso nur Verschleiß dieses Systems ist. Mihai hat nämlich auch studiert. Geschichte. Und dafür gibt es jetzt 150 Leu am Tag. Ich bezweifele, dass er lange bleibt. Zudem hätte ich ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn nun auch noch er sich mit der Bürokratie auseinander setzen müsste. So trifft es sich gut, dass Yulia, als nationale Freiwillige einmal wöchentlich, uns erhalten bleibt.

Am 1. Oktober ist elderly- day. Ein Tag für die Senioren so zu sagen. Dafür basteln wir 110 Karten und bemalen ebenso viele Marmeladengläser für Süßigkeiten. Ich finde diesen Brauch sehr schön.

Auf Albans Genesung kam ein weiteres Treffen mit den anderen Freiwilligen, wo ich feststellen musste dass es uns in unserer Ferienwohnung eindeutig zu gut geht. Justin kämpfte mehrere Wochen um warmes Wasser. Einige können die Heizung nicht selber regulieren: Moldawien wie es leibt und lebt. Nach einem interessanten Gespräch mit Henning, einem weiteren deutschen Freiwilligen,  habe ich beschlossen, mich ein wenig mehr mit der Landespolitik auseinander zu setzen. Interessant was da ein Gespräch mit Tatiana, unserer Sprachlehrerin. Tatiana verdient ihr Geld mit Deutschunterricht an Schulen und im Haus der Hoffnung, und wie ich finde, verdient sie an uns sehr gut. Tatiana ist also (nach meinem subjektiven Empfinden) die mickrige Mittelschicht des Landes. Sie erzählte mir allerdings sehr zaghaft von zensierten Medien und Korruption in der Politik. Somit war weniger was sie erzählte, vielmehr wie sie erzählte, das Spannende. Ich will ihr keine Treue zu irgendwas vorwerfen. Ich vermute nur, dass es für viele in Moldawien einfacher ist, mitzuschwimmen anstatt zu rebellieren. Sicher: es gab Revolutionen. Aber die Atmosphäre im Land kommt mir sehr unpolitisch vor.

Apropos Sprache: Ich.Hasse.Es. Wenn ich etwas nicht kann, schaltet mein Kopf, so erwachsen er ist, auf Stur. Mir fällt da dieser Spruch ein, den ich mir immer anhören durfte als ich klein war: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ja. Aber aus mir wird wohl wirklich nie eine Meisterin. Wenn ich Ende dieses Jahres drei Sätze kann, bin ich gut. Dabei wollte ich doch alles besser machen als mit Englisch und Französisch! Zumal mir das multilateralem Treffen beim ICE so viel Mut machte. Immerhin waren dort unsere Sprachlehrer früher auch mal Freiwillige gewesen und konnten 3 Jahre später immer noch viel. Aber vielleicht muss ich einsehen, dass es nicht jedem gegeben ist.

Ein kleinwenig Landesbesichtigung gab es diese Woche natürlich trotz unserer Diät.

(1) Ich landete ausversehen im orthodoxen Gottesdienst. Das sollte jeder Mal. 🙂 Sechs bärtige Männer mit lila oder schwarzer Haube brummen ein Singsang auf Rumänisch. Wären dessen rasselt einer mit einer großen Weihrauchglocke durch die Gemäuer. Roch himmlisch nach Weihnachten 😀 . Die Besucher dieser Veranstaltung sind zu 80% weiblich, obwohl diese in der Kirchenhierarchie weit unten stehen. Es folgte eine undurchdringliche Reinflogen von Verbeugen und Bekreuzigen. Alles in Allen für mich als Protestantin spannend, wohlgefühlt habe ich mich allerdings nicht. Es gibt keine Bänke und mir kommt es etwas geheuchelt daher. Die Priester klangen, als würden sie eine Pflicht erbringen und nicht Menschen auf der Suche helfen und obwohl alle Frauen kein Kopftuch tragen müssen, sind die Röcke  so kurz wie möglich. (Versteht mich nicht falsch: mir ist das egal wer was anhat. Es passt nur nicht zusammen.) Ein kleiner Kulturschock, der 2 Stunden dauerten, ich allerdings nach 10 Minuten ging, weil meine Beine die Kirchenbank vermissten.

(2) Malldova heißt das große Einkaufscenter der Stadt. Hier sieht man wem das Land gehört. Wenn die Preise wieder in € angegeben werden, weil die Zahl sonst zu groß ist, ist alles klar. Swarovski, Mango, Schuhe für 200€  : alles was das Herz der Reichen und Schönen begehrt. Ich habe in einem Ramschladen nur ein paar Gummihandschuhe ergatterte, um unsere Küche besser vor seltenem Schimmelbefahl bewahren zu können. Leider sind Alban und ich es nicht gewöhnt nur für zwei zu sorgen und nach unserer Diät hatte so manches Lebensmitte eine graue Perücke.

Zum Schluss muss ich noch eine kleine Korrektur vornehmen. Ich hatte ja berichtet, wie lieb unsere bunici sind. Leider stellt sich immer mehr heraus, dass es ebenso viele Hexen unter ihnen gibt. Da wird dem anderen das Essen vor der Nase weggegrabscht, sich beschwert wenn es nicht schnell genug geht- obwohl wir niemanden hungern lassen würden und es für alle genug ist!

Die anderen Freiwilligen sind alle schon länger hier als wir, und schwärmen von den Reisen die sie unternommen haben. Deswegen wächst auch meine Lust auf Abenteuer, und ich hoffe, bald die Bleibegenehmigung zu bekommen um auch in die Ukraine und Rumänien vlt. auch nach Transnisttien  zu können.

Gegen Heimweh habe ich diese Woche ganz viel Skype und Line – Kontakt gehabt. Danke euch 🙂

Ein gutes Lieblingsbuch und Freunde helfen immer.

Heute Abend ist Wahlparty in der Botschaft und ich freue mich vor allem auf das Essen. Unsere Stimmen wurden in Frankfurt vom Zoll abgefangen. 🙁 Also tut mir bitte den Gefallen und geht euer Kreuzchen fernab der blauen Alternative setzten. Ne, entschuldigt, geht ja mich nix an.

Wie es war, schreibe ich dann nächsten Sonntag. Ich wünsche allen eine diätfreie Woche 🙂