Nach langer Zeit gibt es wieder Neues aus Moldawien: Meinen ersten Reisebericht.

Blick auf Schäßburg

Doch zuvor kleinere Updates über das Kämpfen in der Casa Providentei:

Bürokratiekrieg: Am Montag des 23.10. saßen wir geschlagene 2h sinnlos im bereits bekannten Amt. Die werte Dame behauptete steif, sie hätte mich noch nie gesehen, obwohl ich ihr Äußeres im Schlaf herbeten kann ( langes schwarzes Haar, Brille, Mund wie drei Tage Regenwetter) und fand in unseren Dokumenten einen weiteren Fehler.

Mittlerweile kann ich darüber lachen. Am Dienstagmorgen dann (wir waren extra früh aufgestanden) wurde unser Antrag endlich zur Bearbeitung dabehalten. JUHUHUUUUU!!!

Im Kindergarten: Da es im Tageszentrum für Senioren nicht durchgehend Arbeit gibt, stand bereits bei unserer Ankunft fest, dass wir ab ca. November in die Kita nebenan gehen würden um dort Unterstützung zu leisten.

Für diese Einrichtung gibt es strengere Regeln als für die Omis und Opis.

Keine Fotos, Schweigepflicht, keine Mobiltelefone, Keine Röcke für mich und Jusin, keine weiten Ausschnitte._ So weit so gut. Ach ja…wie konnte ich das vergessen?!: KEINE MÄNNLICHEN ERZIEHER. Alban ist unerwünscht, weil es keine Videokameras in der Kita gibt. Konkret heißt das, er dürfte nicht mit den Kinder auf die Toilette, sie nicht anziehenden usw. Mir geht es hierbei nicht darum, dass ich mit ihm zusammen arbeiten wöllten. Im Gegenteil. Abwechslung tut uns nur gut. Aber hier war zum ersten Mal der Punkt erreicht, wo ich dieses Land mit seinem Regelwerk aus Anno dazumal zum k*** fand. Mir geht es dabei ums Prinzip. Während DT längst erkannt hat, wie wichtig eine männliche Rolle in der KiTa oder Schule ist, macht man hier einen auf Überwachungsstaat. Ich bin keine große Datenschützerin. Aber diese Kameras auf unserem Gelände sind schon unheimlich genug. Immerhin weiß hier jeder wann wir kommen und gehen. Die Vorstellung, man wünsche sich völlige Überwachung auch noch auf Arbeit  ist mir unverständlich. Hinzu kommt: Wir sind eine katholische Einrichtung. Sollte man nicht hier so Vorurteilslos sein um zu sagen: Nicht jedes männliche Wesen ist pädophil? Als andersrum: Jeder Mann ist ein potenzieller Täter?! Aber gut…Sehen wir, was die Zeit bringt. Dieses Land macht es sich selbst schwer.

Natürlich darf auch ich nicht so ohne Weiteres in den Kindergarten. Deswegen besuchte ich diese Woche eine Art Arztpraxis. Man nennt das hier Klinik, aber es sind keine Betten da, um längere Aufenthalte zu gewährleisten.

Natürlich hätte ich auch ein deutsches Gesundheitszeugnis vorzeigen können, aber das wäre wohl wieder im bürokratischen Marathon geendet.

In der Klinik: gab es feinste Architektur aus der Zeit Stalins (und älter). Dafür sehr viel junges Personal, welches wohl für „sexy Ärztin Kostüm“ von Amazon posiert. Die Frau Dr. trug ein Leopardenkleid unter ihren Kittel, schwarze glänzende Absatzschuhe und eine schöne Ledertasche. Dazu den neusten roten Nagellack. Ich weiß bis heute nicht, warum es mir dort nicht gefallen hat 😉 . Zum Glück, war ich nicht ernsthaft krank, noch mal werde ich keine staatliche Klinik aufsuchen.

Ab Montag bin ich dann also bei den Kidis .  Zumindest vormittags, denn am Nachmittag kommen nun die elderlys, denn wir haben nun nachmittags geöffnet. Diese Abwechslung finde ich super, ich kann also mit beiden arbeiten und muss meine Senioren nicht aufgeben. Dennoch begleitet mich eine furchtbare Angst: die Sprache. Ich drücke mich seit 2 Monaten erfolgreich und kann nicht wirklich was. Nun muss ich. Ich will nicht daran denken. Zum Glück sind es bis Weihnachten nur effektiv 22 Arbeitstage, und die werde ich überstehen. Hoffentlich.

Sprachkurs: Unser Unterricht bei Tatiana macht sich nur zäh… Deswegen wird er immer mehr auch zur Landeskunde. So erfuhren wir, dass sie 3000 Leu im Monat verdient. Sie ist Lehrerin und spricht fließend Deutsch. Umgerechnet sind das 150 €. Davon kann sie nicht mal den Strom bezahlen. Deswegen arbeiten viele einfach schwarz dazu, in dem sie Sprachunterricht geben oder Samstag Nachhilfe machen.

Das schlimme in diesem Land ist ja, dass es einfach nicht so scheint. Ich nenne das „stille Armut“, weil es so scheint als würde das System funktionieren. Aber es funktioniert eben nicht. Das Geld ist ungerecht verteilt und ich sehe kaum Bestreben, dass sich etwas verbessert.

Brașov, Kronstadt, Brassó_:_ ist eine Perle Siebenbürgens. Da Allerheiligen frei war, machten wir uns Kurzerhand auf in unseren ersten Urlaub. Mit dem Bus ging es in der Nacht vom Dienstagzum Mittwoch Richtung Sibiu. Schon diese Fahrt war Abenteuer genug. Zuerst mussten wir auf den Gara Sud und nahmen dafür ein Taxi, welche hier sehr günstig sind. Ca.3 €. Leider (man kann so gut belesen sein, wie man will, es geht immer was schief) wurden wir ausgetrixt: ein anderes Taxi hatte unserem den Auftrag weggeschnappt und wollte plötzkich 7€… nun ja.

Der Bus war unbequem wie alle Autobusse und fuhr nun gut bestückt durch die Dunkelheit. Mitten in der Nacht bei gefühlten Null Grad Celsius wurden wir für Zoll und Passkontrolle raus gescheucht. ES LEBEN DIE OFFENEN GRENZEN DER EU!!!!! Das dauerte ungefähr 90 Minuten und machte allen schlechte Laune.

Burg Rasnov

In Braşov angekommen erwartete uns bei 3 Grad Celcius, wunderschönes Wetter und die Karpaten mit ihren weißen Spitzen.

Gegründet wurde die Stadt von Deutschen im 13. Jahrhundert und war lange Zeit sehr wichtig für alles Wichtige : Religion, Wirtschaft geistiger Austausch. Und das merkt man noch heute. In „The Black Church“ gibt es jeden Sonntag noch einen evangelischen Gottesdienst auf Deutsch.

Ich werde nicht alles von meinem Urlaub berichten, ich empfehle euch, Siebenbürgen selbst zu besuchen. Englisch wird hier von vielen gesprochen, teilweise auch Deutsch und wir hatten eine einfache aber

sehr saubere und freundliche Unterkunft.

Genauso lecker wie es aussieht 🙂

Auch zum etwas ausgiebigeren Shoppen und Essen lohnt sich die Stadt :). Es ist zu Moldau nämlich wie Tag und Nacht. Der russische Einfluss in Moldawien prägt die Kleidung mit Glitter und knalligen Farben und ausgefallenen Schnitten, macht das Essen süß und die Weihnachtzeit muss ohne Lebkuchen auskommen 🙁 .

Wer seine Großeltern, wie ich nie verstanden hat, was es bedeutete, dass der Westen mehr hat als man selber, kann ja mal nach Moldau ziehen. Ich suche seit geraumer Zeit Backzutaten wie Marzipan und Baumkuchen sowie Weihnachtsdeko aber das gibt es hier einfach nicht, weil alles importiert werden muss und die Menschen das nicht kaufen (können). Ich schäme mich für mein kapitalistisches Denken und dieses Glücksgefühl im rumänischen Kaufland: Da gab es doch tatsächlich Baumkuchen!!! Man lernt viele Dinge ganz andere schätzen…

(Natürlich müssen wir nicht wegen Bananen anstehen, aber man merkt, dass es hier anders zugeht. Nachgefüllt wird, wenn alles alle ist, und das bedeutet ,dass es nicht immer Vanillepudding oder Schokopudding gibt sondern nur eine Sorte. Probleme eines verwöhnten Kindes. Deswegen schreibe ich euch das auf. Wir müssen beginnen unseren Wohlstand in DT endlich richtig zu schätzen und zu begreifen, aber auch zu wissen: er ist kein Ultimatum. Es geht auch mit weniger)

Neben Kronstadt besuchten wir noch das Schloss Bran, was mit Dracula in Verbindung gebracht wird, weil es auf Bram Stockers Beschreibung passt. Es ist nicht empfehlenswert, da es überlaufen von Touristen ist, und Händler  die jede Menge überteuerten Vampirklimbim verkaufen.(Ich liebe Vampire. Aber das war nicht  soooo cool) Das alles machte die interessante Geschichte, die mit unserer Deutschen enger verknüpft ist als jeder erwartet, kaputt. Hinzukommt, dass es diese Tourihorden überall Selfies machen müssen.

Scloss Bran

Viel besser hingegen war die Burg Rasnov. Diese erklommen wir über viele Stufen in einem Herbstwal und verließen sie mit einer Gondel, welche man auch in Braşov findet.

Diese alten Kirchenburgen haben mitunter eine etwas zähe Story aber sind dafür umso schöner zu besichtigen.

Hollywood-flair in Rumänien

Leider ist unser schlechtes Karma aufs Wetter geschlagen und es regnete am Freitag in Strömen.

Von diesem Turm aus hat man einen super Blick auf Sighișoara

Auch immer wieder einen Besuch wert ist Sighișoara. Hier trafen wir Sophie und Clemens, welche im ungarisch sprachigen Gebiet Rumäniens als Freiwillige sind.

In Schäßburg, wie der deutsche Name lautet, gibt es einen altern Friedhof auf dem unendlich viele deutsche Gräber erhalten sind. Das ist schon etwas seltsam… du bist so weit weg von Zuhause und bist dennoch mit so viel heimatlichen konfrontiert. Neben diesen Friedhof zieht natürlich auch hier Dracula  die Touristen an. Angeblich wurde der Blutsauger, welcher in Wirklichkeit ein barbarischer Herrscher war, welcher seine Gefangenen pfählte, geboren. Viel interessanter als sein Geburtshaus sind aber viel mehr die Zunfttürme mit ihren Spielfiguren. Diese Türme tragen

die Namen ihrer jeweiligen Zunft, die diesen Turm zu pflegen und zu bewachen hatte. So gibt es z.B. einen Schneiderturm und einen Fleischerturm.

Zurück ging es für uns mit dem Zug. Am Bahnhof erklang beim Einfahren der Züge eine Musik, die mich an ein altes Karussell erinnerte. Alles in allem ist diese Stadt wie eine kleine Zeitreise.

Einige unserer Laternen und natürlich die Hörnchen…

Rabimmel Rabammel Rabum: Wieder in Chişinău angekommen, stürzten wir uns in die Vorbereitungen für unser St. Martins Projekt. Erstaunlicherweise wird dieser Heilige hier nämlich gar nicht zelebriert. Deswegen bastelten wir Lampions und backten Martinshörnchen mit unseren bunici. Vor allem wenn es etwas zu Essen gibt, sind sie voll bei der Sache 😉 (wer ist das nicht?!)

Nun geht es rasant schnell auf Weihnachten zu, und wir sind gespannt, was für Projekte uns noch so einfallen.

Bunici beim teilen

In diesem Sinne, wünsche ich allen Lesern einen sonnigen November.

Nächste Woche geht es für uns wahrscheinlich in den Norden Moldaus, der Bericht erfolgt in 14 Tagen.

Liebe Grüße in die Heimat !!!