So. Es ist endlich Wochenende und ich wünschte, es würde erst nach Weihnachten enden. Ich habe letzte Woche nicht geschrieben, weil ich fast nix berichten konnte.  Warum? Was mit dem Ausflug ist, und dem Kindergarten?

Mh nun ja. Mit Fieber und einem Magen der streikt lässt es sich nicht arbeiten.

Ich hatte gelinde gesagt „die Nase voll“.  Justine kämpfte  mit Läusen, ich mit einem weiteren Infekt und zu allem Übel, hatten wir Küchenschaben. Ich kann ein Buch schreiben: „Frances‘ Hausfrauen Tipps. Wie wird Frau mit Tierchen und Wehwechen fertig?“ Daher auch unsere Überschrift. Moldova will kill me, stammt von Justine und manchmal habe ich Angst, dass sie recht hat.

Mein Bett in Burgstädt, meine Familie, medizinisches Fachpersonal, Apotheken mit netten Angestellten, Vorweihnachtsstimmung, Leitungswasser was man zum Kochen verwenden kann- das von mir verhasste Sachsen kam mir plötzlich vor wie das Paradies.

Vielleicht denkt ihr jetzt: Tja Madame Abenteuer, du wolltest das so. Es kann ja nur schief gehen. Jetzt siehst du was du von der Schnapsidee hast, in Osteuropa zu leben.

Ja, dass dachte ich Mittwoch auch, als ich bewaffnet mit Insektengift durch die Küche pirschte. Aber was solls?! Ich wollte das so, und Abendteuer sucht man sich nicht raus, sondern sie finden dich. Ich habe wahrscheinlich die „dark edition“ erwischt.

Aber nun ist alles gut. Die Küche ist klinisch sauber und im Ofen wartet Pizza. Das Leben hier kann auch schön sein.

Meine Kindergarten-Ängste entpuppten sich als unbegründet. Es macht sogar richtig Spaß. Im November arbeite ich von 10:30 Uhr bis 12:00 bei den mittleren Zwergen und tausche ab Dezember mit Justine. Dann bin ich von 15:30 bis 18:00 bei den mini Zwergen.

Englisch spricht nur eine der Erzieherinnen, was super ist. Ich kann jetzt viel mehr Rumänisch anwenden als bisher.

Erstaunlich war, wie schnell die Kinder zu mir Vertrauen fasten, obwohl ich doch nur stumm helfen kann. Nun, nach insgesamt 6 Tagen im Kindergarten werde ich mit: Buna Ziua. Este frumoase?, begrüßt. Das bedeutet so viel wie : Hallo, ist das schön? Und bezieht sich auf die Kunstwerke der Kleinen.

Allgemein ist dieser Kindergarten wohl der Traum jeder Erzieherin. Die Kolleginnen sind alle sehr jung ,die Einrichtung neu. Ich werde mal einige Fotos hochstellen, sobald ich die Möglichkeit habe. Es ist einfach doppelt so viel Platzt, als in jedem Kindergarten den ich bisher kennengelernt habe.

Es gibt mehrere große Schlafsäle und für jedes Kind einen kleinen Holzspinnt. 60% der Gelder für diesen Bau kamen aus Deutschland und ich muss sagen: Danke. Ihr habt gut investiert.

Die Pädagogik und die Struktur hingegen sind allerdings anders. 25 Kinder sind in meiner derzeitigen Gruppe. (Wenn alle da sind) Die Erzieherin ist mit ihnen alleine. Das funktioniert nur mit Autorität. Diese will ich aber keinesfalls kritisieren. Ich finde das sogar gut. So viele Kinder sind natürlich nicht so super, aber die Frauen schaffen es und bekommen dafür meinen vollen Respekt.

Es gibt eine sehr intensive Frühförderung. So malen die Kinder der 3 und 4 Jährigen jeden Tag etwas aus. Manchmal in ihren Arbeitsheften. Dort lernen sie bereits Sachen verbinden, Umrisse nachzeichnen und die Zahlen. In der Nachbargruppe sind die Großen, welche bereits die Buchstaben lernen. Ab und zu kommt eine der Schwestern (wir sind ein katholischer  Montessori Kindergarten). Ich mag die Schwestern persönlich. Sie Sind musikalisch, lachen meistens und strahlen eine enorme Stärke aus. Dennoch gehören sie für mich nicht hierher. Ich weiß nicht warum, aber ich finde sie zu den Kindern sehr streng. Nicht mal ein Beispiel könnte ich bringen. Es ist mehr ein Bauchgefühl. Aber vielleicht löst sich das ja noch.

Um Gender-gerechte Erziehung geht es hier auch nicht. Die Rollenbilder sind klar verteilt. Vor Kurzem malten die copii Berufe aus. Für die Jungen Polizist und Feuerwehrmann und für die Mädchen eine Ballerina. Ich frage mich, warum das so ist… Ist es die Kirche? Oder leistet man es sich nur in einem Staat wie DT über die Lockerung von Geschlechterrollen nachzudenken? Ich werde es rausfinden…

Wenn die Sonne scheint geht es natürlich raus, auf einen der Zwei Spielplätze, direkt neben meiner Wohnung. Hier habe ich dann auch meine Aufgaben. Helfen beim Anziehen, an schaukeln, nach drinnen zur Toilette begleiten- ich bin immer froh wenn ich dabei mit einem Lachen bedacht werde. Es gibt mir die Sicherheit, dass ich willkommen bin. Auch sonst wird mir hier doppelt so viel gedankt, obwohl ich weniger machen kann. Dadurch, dass wir die ersten Freiwilligen sind, die im Kindergarten mit tätig sind, sind wir etwas Besonderes und alle sind unvorbelastet, so wohl negativ als auch positiv. Ich bekomme langsam das Gefühl hier etwas Nützliches zu leisten.

Über die Kinder und ihre Herkunft weiß ich nur wenig.  Eltern die es sich leisten können, zahlen ein wenig mehr um die Plätze der ärmeren Familien mit zu finanzieren. Den Kindern sieht man aber ihre Herkunft zum Gl

ück nicht an. Gepflegt sein steht an erster Stelle. Die Mädchen kommen in ihrer Kleiderkollektion und die Jungen auch mal mit Hemdchen.

Neben der Arbeit im Kindergarten liegt die Vorbereitung für Weihnachten an. Am 28.12.2017 veranstalten vor Allem die nationalen Freiwilligen ein Fest für Kinder ganz armer Familien. Um Geld für die Geschenke zu sammeln, verkaufen wir selbstgemachtes Gebäck an den Adventsonntagen. Dafür haben wir bereits diesen Freitag fleißig gebacken. Leider sind die Moldauer einfach nicht gut darin. Der Lebkuchen war viel zu süß und steinhart, der Punsch mit viel Alkohol und noch mehr Zucker.

Direkt an der Grenze zur Ukraine liegt die siebt gößte Stadt Moldaus : SOROCA

Glaubt mir, sie sehen nur lecker aus…

Kein Wunder, dass unsere Ideen nicht ankamen. Wenig Zucker zu verwenden ist hier einfach ein no go.

Ich vermisse unsere Dominosteine und Marzipan 🙁 .

Verschenkt werden übrigens Schuhe aus einem Laden der vor Ort produziert. Das ist gut, denn es ist zum einen ein sehr nützliches Geschenk und zum anderen unterstützt es einen lokalen Produzenten. 25€ kostet ein Paar.

Da wir internationalen Freiwilligen stark an dem Verkauf der Kekse zweifeln, gibt es ein Crowdfunding. Es wäre schön, wenn eine kleine deutsche Spende dabei wäre. Das sollen keine 25 € sein. Wir erreichen mehr, wenn 100 Menschen 2 Euro spenden als wenn nur 3 Menschen 20 Euro geben.

https://www.leetchi.com/c/projets-de-enfants-de-moldavie

Das ist der Link. Ich habe auch fleißig den Englischen Text übersetzt… (Wer dachte nach dem Abitur jemals wieder so einen Mist zu brauchen 😉 ) Lasst euch bitte davon nicht verschrecken. Es war wirklich einiges an Arbeit.  Der Text wird noch eingestellt. Die Sprache der Seite an sich kann man ganz unten von Französisch in Deutsch ändern. 🙂

Danke  für eure Unterstützung.

Reden wir noch ein bisschen über Kultur. Letzen Sonntag besuchten wir Soroca. Die Stadt ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Das Innere der Burg

Im Minibus ging es 2 1/2h durch Moldawien. Erstaunlicherweise waren die Straßen gut, das Wetter aber bescheiden. Zwei Besonderheiten haben wir mit einer Gruppe französischer Freiwilliger besucht. Zum einen ist da die Burg Soroca. Sie steht am Flussufer des Flusses Dnister und stammt aus dem 16. Jahrhundert. In ihrem heutigen Stil errichtet wurde sie von einem Tranilvaner, also aus dem Gebiet unseres Urlaubs in Braşov, was man der Burg im Stil auch ansieht. Ein Museum direkt gibt es nicht, aber man kann die Burg begehen und (bei gutem Wetter) zur Ukraine blicken.

Für mich viel interessanter war der „Hügel der sesshaften Zigeuner“. Hier ist dieses Wort nicht als Schimpfwort gemeint, sondern wird von den Sinti und Roma selbst verwendet. Auf diesem Hügel, was schon mehr ein Berg ist, wurden schon im 20. Jahrhundert Zigeuner sesshaft. Gebaut wird immer dann, wenn gerade Geld da ist. Sollte es während des Baus mal alle sein, ist das ja kein Problem, Geld kommt und geht.

Nicht kleckern sonder klotzen ist die Devise

Die Architektur ist der Wahnsinn. Man orientiert sich z.B. am Kapitol in den USA, auch wenn ein Dollarschein als Vorlage herhalten muss. Die Villen sind mit silbernen Dächern und schmiedeeisernen Toren verziert.  Hunde stromern dazwischen. Ob man da so durchgehen sollte, habe ich mich erst hinterher gefragt, passiert ist uns nix.

Der Bär steppt hier aber auch mehr im Sommer und zu Festzeiten, ich denke wir werden wieder kommen. 🙂

Spannend wurde noch einmal die Heimfahrt. Zum einen war der erste Bus voll und wollte uns nicht mit nehmen. Der zweite auch. Zum Glück saßen wir schon, als noch Stühle aus einem Kaffee geholt wurden und dann den Mittelgang füllten. Das reichte immer noch nicht. Also musste der 2 Meter Mann mit seinem XL Teleskop 3h stehen. Ach Deutschland, diese Spontanität fehlt dir.

Im Hintergrund die armen Stadtviertel

Ich muss noch ein Geständnis ablegen. Seit dem wir so oft krank sind und die Trolleybusse eine Zumutung im Winter (die Scheiben beschlagen durch den Atem und es riecht nach nassem Hund) fahren wir sehr häufig  Taxi. Mittlerweile ohne übers Ohr gezogen zu werden. Das kostet uns zusammen zwischen 35-50 Lei, also ca. 2€. Davon kommt nicht mal einer nach Chemnitz. Ich hoffe keiner denkt, ich bin super eitel. 🙁

Vielleicht sollten wir die Adventszeit nehmen um mal richtig dankbar zu sein, für das was uns in DT zur Verfügung steht. Ihr kennt mich: ich bin kein Patriot, ich sehe vieles kritisch, bin wohl ein Gutmensch.

Ich bin nicht stolz auf DT aber dankbar für vieles was es hat: Wasser was ich nicht in 6L Kanistern kaufen muss um zu kochen. Weihnachtslichterketten die sicher sind, Busse in denen es genügend Platz gibt, immer warmes Wasser zum Duschen…Immer gefüllte Supermarktregale…

Da wir jetzt am Wochenende arbeiten müssen, weiß ich noch nicht, wann der nächste Bericht kommt. Ich gebe mir Mühe. Wir freuen uns übrigens immer über Anmerkungen, Kritik und Ideen oder einfach Post aus Deutschland. s.Frances99@yahoo.com ist meine Mailadresse.

Ich wünsche euch allen eine besinnliche Adventszeit.