Eine bunte Gruppe zeiht durch die Stadt- sie erregen Aufsehen, weil sie lachen und die gestressten Städter haben keine Zeit für die Leute, die ständig ein Foto machen, von all dem was doch so alltäglich ist.- Diese bunte Gruppe ist meine Familie, Alban und ich. Für Ostern kam der sehnlichst erwartete Besuch aus Deutschland- oder wie ich zu sagen pflege- die Westverwansdschaft war da 😉

In dieser Zeit habe ich die Stadt noch einmal neu entdecken können. Als wir im August hier ankamen, war alles so neu und aufregend, doch dann kam eine gewisse Routine und der graue Winter. Mit meiner Familie über unsere bunten Märkte zu spazieren und die Kirchen zu besuchen, war wie ein Urlaub ohne dass ich selbst verreisen musste. Außerdem ist Chişinău wunderschön im Frühjahr, wenn alles seinen Schlafrock ablegt und die Menschen wieder zu leben beginnen.

Nach 3 gemeinsamen Tagen intensiven Futterns und Sightseeing kam ein tiefes Loch Langerweile. Fernweh- mein bester Feind ist zurück, wie immer im Frühling. Deswegen geht es nun an die eigene Urlaubsplanung. Ich erzähls‘ euch, wenn sie fertig ist 🙂

Moldawien hat kontinentales Klima (ich habe leider nicht so gut in Geo aufgepasst…) Die Winter sind kalt, die Sommer unglaublich heiß. Konkret heißt das, es wird wenig Frühling geben. Nach der Eiszeit, folgt die Schweißzeit, was man vor allem an unseren Senioren erreichen kann 🙂

Im Moment faulenze ich auf dem Bett, die Sonne lacht zum Fenster herein-aber Moment! Es ist doch Montag?!

Ja, Ostermontag. Die orthodoxe Kirche ist eine Woche hinterher mit all ihren Festen und obwohl wir ja eine katholische Organisation sind, haben wir heute frei.

Zu „unserem “ Ostern waren wir am Abend spontan bei den Schwestern eingeladen und bekamen dort einen niedlichen Brauch mit. Man nimmt ein hartgekochtes, buntes Ei und schlägt es gegen ein Weiteres von seinem Sitznachbarn. Dazu sagt man: Hristos a inviat! -Jesus ist auferstanden! Derjenige, dessen Eischale nicht zersprungen ist, darf zum nächsten gehen, bis alle Eier einen Riss haben.

Traditionell gibt es außerdem einen Kuchen, welcher geschmacklich stark an Stollen und von der Konsistenz her an Brot erinnert. Diese Kuchen gibt es überall und auch wir haben gleich zwei geschenkt bekommen. Auf diese Dinge- Eier und leckeres Gebäck wird hier mehr Wert gelegt als auf Geschenke. Auch weil die Fastenzeit, welche im orthodoxen Christentum Milch, Eier und Fleisch untersagt, viel strenger ausgeführt werden. Es gibt sogar eine zusätzliche Speisekarte bei Andys Pizza ;).

Da wir nun dieses Wochenende so viel Zeit hatten, wollten wir nach Orhei Vechi [Vekh], einem Höhlenkloster. Leider liegt dieser schöne Ort im absoluten Nirgendwo. Wir machten uns also auf, durch die verlassenen Straßen Chişinăus. Als wir nach gut 80 Minuten Minibusfahrt in Orhei ankamen, mussten wir feststellen, dass zum Kloster gerade an diesen Tag kein Bus Lust hatte zu fahren. Auch verständlich, die Moldauer machen selten Urlaub, aber dennoch: es ist doch nicht so schwer, dass mal irgendwo hinzuschreiben 🙁

Deswegen gibt es heute keine Fotos von Orhei, sondern vom Botanischen Garten. Auch was Feines.

Neues von Fräulein Frances und der Kindergang

Langsam gewöhne ich mich daran, dass die Kinder domnișoară – Fräulein nennen. Lieber wäre mir einfach Frances,aber gut. Letzte Woche waren viele Erzieher nicht da, weil eine Erkältungswelle ausgebrochen war. Deswegen durfte ich etwas super schönes machen: Kindern beim Schlafen zu schauen.

Ich weiß- es ist egoistsich und arogant, aber es ist ein schönes Gefühl, dass mir mehr und mehr Aufgaben zugeteilt werden.

Dennoch, sind da Niederlagen, die ich nicht verschweigen darf. Montags ist es meine Aufgabe ein Spiel mit den Schulanfängern zu spielen. Beim ersten mal endete “ Herr Fischer,Herr Fischer wie komm’wir übers Wasser“ in einem wilden Getobe. Ich versuchte danach, Justine aus Frankreich, das Spiel zu erklären,aber auch sie verstand es nicht. Beim zweiten Mal,machten wir Eierlaufen. Ich hatte Rodica gebeten, zu erläutern,was ich vorhabe. Letztlich war es also die Erziehrin, die alles leitete und ich nur die, die die Eier gefärbt hatte.

Beruigend ist es dennoch, dass es die Sprache und nicht mein Mangel an Kreativität ist. Ich mag die Kinder und die Kinder mögen mich.

Bei den Erzieherinnen ist das wohl anders. Zwar nehmen sie Hilfe gerne an, aber ich falle einfach aus jeglichem Raster. Stellt euch ca. 8 Frauen vor, deren Schönheitsideal russisch geprägt ist. Lange Haare, teurer Schmuck, manikürte Nägel. Die Erzieher in Deutschland kamen mir immer 100 mal bodenständiger vor.

Leider kann Fräulein Frances auch nicht alle Methoden so gut heißen. Gerade Kinder von guten Freunden oder gar die eigenen der Erzieher werden meines Erachtens bevorzugt. Auf der anderen Seite herscht eine seltsame Strenge, z.B. ist es verboten in Pfützen zu hüpfen und Käfer anzuschauen. Das Recht daran etwas zu ändern habe ich nicht. Nur ein Gegenpol darf man sein.

Aus der Politik

Am  25 März war eine Art Demo in der Innenstadt. Zelebriert bzw. erinnert wurde an den Zusammenschluss von Bessarabien und Rumänien. Die historischen Fakten sind unglaublich kompliziert, denn lange bestand dieser Zusammenschluss nicht. Es ist also mehr symbolisch und eigentlich auch sehr patriotisch, was ich eigentlich ablehne. Dennoch war diese Kundgebung enorm von Bedeutung.

  1. Ging es gegen den pro russischen Präsidenten und für eine Orientierung gen Westen, gen EU.
  2. Wurde von Seiten des Präsidenten vor der Demo gewarnt. Er wollte damit die Versammlungsfreiheit und die Meinungsfreiheit behindern.
  3. Passiert ist nix, aber die Medien zeichneten ein gewaltvolles Bild vom Ablauf, um Menschen an der Teilnahme zu hindern.

Im Rahmen dieser Demo lernten wir zwei Moldauerinnen in unserem Alter kennen, welche uns noch ein paar schöne neue Ecken in der Stadt zeigten. Die beiden sprachen fließend Englisch. Interessant ist daran, dass sie eine Waldorfschule besuchen. Was bei uns eher belächelt wird, finde ich hier enorm wertvoll, da die staatlichen Schulen sehr streng geführt sind, aber gerade solche wichtigen Dinge wie Englisch zu kurz kommen.

Aufgefallen ist uns allerdings, dass die beiden keinen Plan von ihrer Landespolitik hatten. So genau konnten auch sie uns nicht erklären, was da gefeiert wurde. In Moldawien ist man entweder 100% politisch und weiß Bescheid oder  zu 0% und hat von nix einen Plan.

Für mich war es einfach erschreckend, wie der Präsident auf eine Demo reagierte, ebenso wie die Medien.

Wir sollten uns daran erinnern, wie gut es uns in Deutschland geht.

Ich hoffe ihr hattet alle ein schönes Ostern. Bald gibt es wieder mehr Kultur, versprochen.

Ich benötige noch einmal eure Hilfe: Die Bewerberzahlen für längere Aufenthalte im Ausland  gehen stark zurück.

Der Trend geht zu privaten Organisationen, die viel Geld nehmen um jungen Menschen eine Mischung aus süßen Kinderheimen und Urlaub in der Savane anzubieten.

http://www.sueddeutsche.de/reise/voluntourismus-einsaetze-in-waisenhaeusern-oder-kinderheimen-sind-ein-grosses-problem-1.3905360

Lest diesen Artikel und ihr versteht besser, warum so etwas es nicht bringt. Zudem ist es schade, dass auch unsere Organisation immer weniger Bewerber hat. Nach Moldawien wird nächste Saison vielleicht kein weiterer Freiwilliger kommen.

Wenn du auf einer Schule bist, oder du junge Leute kennst die zwischen 16 und 28 sind, mach doch etwas Werbung. Viele wissen gar nicht was sie so genau wollen und ein Abenteuer in Frankreich, der Ukraine oder sogar Bolivien kann dir sehr weiter helfen!

Keiner muss dafür ein Sprachgenie sein oder viel Geld haben. Hauptsache du bist bereit für ein Jahr Abenteuer!!!

Bis nächstes Mal. 🙂