Gut, dass ich nicht mehr zur Schule muss 🙂 . Dann mĂŒsste hier jetzt eine Einleitung, die viele Punkte wert ist, stehen. Aber das habe ich hinter mir und deswegen: es ist Sonntag und damit Zeit, ĂŒber die letzte Woche zu schreiben.

Es ist schon komisch
jetzt sind wir bereits 11 Tage hier und die Zeit vergeht rasend schnell. Wenn das ganze Jahr so verfliegt, komme ich ja quasi bald heim.

Doch daran möchte ich jetzt noch nicht denken, es hat ja alles eben erst begonnen. Obwohl ich gestehen muss, dass sich diese Woche ein ganz klitzeklein wenig Heimweh (ahhrg, das böse Wort) eingeschlichen hat. Die derzeit grĂ¶ĂŸte Herausforderung ist, alleine zu leben. Also im Sinne von zu zweit, aber ohne eine Mama die wĂ€scht und sagt „sei nicht faul“ ohne einen Papa, der kocht und ohne Geschwister, die bei dieser Entfernung weder nerven noch einen Gesellschaft leisten können :(. Gott sei Dank, gab es genug, was mich von der Einsamkeit ablenken konnte.

(1) Kampf der BĂŒrokratie: Um in Moldawien arbeiten und leben zu dĂŒrfen benötigten wir vorher kein Visum und blickten schadenfreudig auf unsere Freunde, die nach Indien gehen. Wir hatten keinen Dokumentenwahnsinn. Doch sowohl Franz Kafka und Mark Uwe Klinks KĂ€nguru haben schon festgestellt, dass BĂŒrokratie niemals unproblematisch ist. Wir brauchen eine Aufenthaltsgenehmigung und so kam es, dass F und A mit ihrer Mentorin Y eine Trolleybusfahrt auf sich nahmen um die deutsche Botschaft zu besuchen. Nach dem Sicherheitscheck durch einen gelangweilten Beamten, der glaubte Y wolle ein Visum fĂŒr Deutschland und nicht andersrum, lernten wir eine sehr freundliche Botschafterin kennen. Die gute Frau war zwar gebĂŒrtig von hier, hatte aber die deutsche Freundlichkeit von Beamten ĂŒbernommen. ( ACHTUNG : Hier Geschriebenes könnte Sarkasmus enthalten) Sie wies uns doch darauf hin, dass wir gefĂ€lligst zur Behörde fĂŒr Asyl und Migration gehen sollen. Aha, in die Kiste gehören wir also. Diese Behörde war nur leider nicht so ohne weiteres auffindbar. Wisst ihr, wo dieses Amt in Deutschland ist? Hier wusste es keiner und so kamen A und F erst  nach 16:00 in einem zweiten Stock im Hinterkorridor zum Ziel. NatĂŒrlich kann keiner erwarten, dass man lĂ€nger arbeitet als bis 16:00. Nette Tafeln sagten uns allerdings, welche Dokumente wir benötigen: Pass, ArbeitsbestĂ€tigung, Blutgruppenausweis- so weit so gut. Doch das BĂŒrokratenenglisch ging noch weiter, mit Dingen, die wir nicht hatten und nicht verstanden.

Das war Montag. Wir vertagten das Anliegen auf Freitag und schließlich doch lieber auf morgen. A, F und Y hatten schlechte Laune und fuhren heim.

(2) Die Arbeit: Ich beginne jeden Tag außer Dienstag 9.00, was bedeutet, dass sich mein Biorhythmus nach hinten verlagert hat. Sprachbarrieren und die Tatsache, dass hier gerade viel im Umbruch ist, hindern uns im Moment noch an großen AktivitĂ€ten. Aber Teekochen und Kekse austeilen funktioniert. Zum Dank gibt es einem LĂ€cheln und ein â€žĐĄĐżĐ°ŃĐžÌĐ±ĐŸâ€œ. Ansonsten schauen die Senioren Film, lesen oder spielen Schach. Wir drei Freiwillige widmen uns einem 1500 Teile Puzzel.

Uhhh!!! Das macht Spaß 😀

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich keine Geduld fĂŒr so was habe, und ĂŒber jede Gelegenheit froh bin in die KĂŒche zu flĂŒchten. Zwischen 12:00 und 13.00 Uhr kommen in zwei Etappen jeweils ca.50 Senioren und bekommen zunĂ€chst eine Suppe und Brot und dann ein Hauptgericht und etwas SĂŒĂŸes. Es ist tatsĂ€chlich so viel wie es klingt, was gut ist, denn die HĂ€lfte verschwindet in mitgebrachten GlĂ€sern.

Man sollte wissen: die wenigsten wirken Arm. Die Herren kommen meistens in Hemd und Anzugsschuhen, die Damen tragen rosa Lipgloss und Nagellack. Nur wenn man genau hinsieht, sieht man, dass die Hosen kaputt sind, es nur ein Hemd gibt, was immer getragen wird und dass alles an den  Schultern schlackert.

Was ganz interessant ist, ist das Renteneintrittsalter: Frauen in der Regel mit 55, MĂ€nner um die 60. Wer aber gefĂ€hrliche und gesundheitsschĂ€digende Arbeit leistet, kann bereits mit 45 in Rente gehen. Werten möchte ich das nicht. Fakt ist, dass der Staat sich nicht um seine Senioren kĂŒmmert. Pflegedienste oder gar Heime gibt es nicht, es sei den TrĂ€ger aus dem Ausland oder die Kirche nimmt sich dem an.

Dienstags darf ich Kartoffeln schĂ€len. UngefĂ€hr 300 StĂŒck. Oder 5 kg Möhren. Und immer um die 30 Zwiebeln. Ich fĂŒhlte mich nicht gut dabei, weil ich noch zu langsam war und furchtbar weinen musste. (SchĂ€lt mal 30 Zwiebeln! Aber die Arbeit an sich war super, denn ich konnte das Resultat sehen und es auch noch essen.

(3) Freunde: Ich vermisse die Freitagabende in der Jungen Gemeinde und Freunde allgemein. Klar kann man schreiben und telefonieren, das ist nur nicht dasselbe. Deswegen hat uns Justin, unsere Französin (auch eine Freiwillige) eingeladen, eine Gruppe internationaler Volunteers kennen zu lernen. Und so pirschten wir Freitagabend in einer zu acht durch ChiƟinău, um in eine Bar zu gelangen. Leider war das keine richtige Bar die es auf GoogleMaps gibt. Also irrten wir ziellos durch ein Viertel, was selbst im Dunkeln eine andere Seite der Stadt zeigte: Die Fenster waren zugehangen, es gab streunende Katzen und die Gullies stanken. Nur eine Straße weiter aber, standen Villen mit TĂŒrmchen und SĂ€ulen.

Tja.. Das ist die Schere zwischen Arm und Reich.

Am Ende haben wir die „Bar“ gefunden. Um die 20 Freiwillige waren es: aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Portugal, Spanien, und Finnland.  Kleines GestĂ€ndnis: wir waren das absolute Klischee. Eine homogene Truppe die sich ĂŒber den Brexit, die EU und Wahlen unterhielten. Aber es war super, Leute kennenzulernen, die Moldawien mit dir teilen. Sicher sind es keine Freundschaften fĂŒr das Leben, aber wir haben etwas gemeinsam. Hier gibt es Menschen, die den Widerspruch verstehen, dass du die heimische KĂŒche vermisst, obwohl du die moldawische liebst.

(4) Vielleicht werden wir ja noch zu Profis der HaushaltsfĂŒhrung. Unsere Waschmaschine rumpelt mittlerweile und lernt uns nebenbei Italienisch, weil sie von dort kommt  ;).

Aufgrund der geringen Obstpreise, beschloss ich, einen Pflaumenkuchen zu backen. Mal sehen ob‘s klappt, im Moment ruht der Teig.

Was wir jetzt noch brauchen ist einen Staubsauger, den wir uns leihen können. Danach zu fragen entpuppte sich als schwierig, weil ich mich nicht entsinnen kann, diese Vokabel jemals gehört zu haben. (Wahrscheinlich erschien es mir nicht so wichtig.) Wem es so geht wie mir: Vakuumcleaner. Hier lĂ€uft allgemein vieles auf  Englisch. Die Senioren sind stolz, wenn sie Thankyou sagen können und die Freiwilligen sprechen es eh alle, weil RumĂ€nisch einfach noch keiner kann. Ich finde das super. Ich kann mein Englisch verbessern und noch eine neue Sprache lernen. Was will ich mehr? Und wenn doch mal Vokabeln fehlen, fĂ€llt einen schon was Lustiges ein. Ich habe mich mit Justin ĂŒber Essen unterhalten und wollte wissen, ob sie Schnecken ist. Leider ist uns beiden „slug “ nicht eingefallen. Aber ein Schneckenhaus in die Luft zu zeichnen ging auch. Als sie mich gefragt hat, was wir zu Weihnachten essen, wurde es bisschen makaber: Chicken oder Bambi.

Wir nehmen bald RumĂ€nischstunden, mal sehen, was Reh da bedeutet. 🙂

Was ist sonst noch zu erzĂ€hlen? Ich habe den Kunstmarkt besichtigt. Hier verkaufen KĂŒnstler GemĂ€lde, Kleidung oder Ramsch. T-Shirts mit Stalin oder Putin, diese tollen russischen WintermĂŒtzen oder MilitĂ€rabzeichen. Es war zu Beginn etwas befremdlich, hat aber irgendwie seinen Charme.

Im Herbst ist außerdem Hochzeitssaison. Allgemein heiraten hier mehr Menschen und vor allem viel jĂŒnger. Vier Hochzeiten haben wir bisher mitbekommen. Der Markt fĂŒr Kleidung und Schmuck dafĂŒr boomt.

Wer sein Geld anders einsetzen will, kann am Straßenrand Babykatzen kaufen. (Wir haben uns gegen die Katze entschieden und versuchen lieber erst mal ein PflĂ€nzchen zu versorgen.)

Was mir noch aufgefallen ist: Viele kaufen hier ihre Kleidung second-hand. Das ist ja Deutschland auch derzeit allgemein hipp und nachhaltig, allerdings kommt hierher das Zeug, was der Deutsche nicht mehr kaufen wĂŒrde.

Deswegen liest man hier immer mal Deutsch auf den Shirts: Eine Frau mit Kinderwagen trug “ 18 Single Suche“; ein freundlicher Ehemann “ Ich bin ein Monster“ oder es sind Werbeshirts von Stromanbietern.

Ob das gerecht ist, darf jeder fĂŒr sich entscheiden. Uns wurde auch gesagt, dass man hier nicht zu kurze Kleidung tragen sollte oder zu viel Dekoltee. Jaaaa
Auf Arbeit und in der Kirche vielleicht. Aber ich habe hier unter so manscher duĂŒnnen Bluse die Spitzenkollegtion von H&M entdeckt. Der Osten ist keinenfalls verklemmt! Hohe Schuhe, rote Lippen und bunte Farben sind hier Mode. Man merkt den russichen Einfluss.

Nationalstolz bedeutet hier etwas ganz anderes als in Deutschland. Übersetzung: Ich liebe Moldova. Vereinigung mit RumĂ€nien.

Wer sich fragt, warum ich noch nichts von Kulturbesichtigungen erzĂ€hlt habe: Ich bin wirklich nicht faul.  Am liebsten wĂŒrde ich das nationale Kunstmuseum, das MilitĂ€rmuseum und jedes Denkmal sofort besuchen. Aber: Ich bin hier nicht nur fĂŒr 14 Tage sondern ein Jahr. All das steht auf der Erleben-Liste. Aber dafĂŒr möchte ich in der Sprache besser werden und mich in der Stadt richtig auskennen. Und: WĂ€hrend es in Deutschland immer kĂ€lter wird, haben wir 34°Celcius. Zu warm fĂŒr alles außer Eisessen.

So
 das ist plötzlich so viel geworden. Ich versuche mich kĂŒrzer zu fassen. Versprochen! Wem mein Blog gefĂ€llt, kann ihn gerne abonnieren.

Ich schau jetzt mal nach meinem Hefeteig 🙂 Bis nĂ€chsten Sonntag!