Es ist Freitag und er ist tatsächlich: FREI. Der 8.12. ist ein katholischer Feiertag, nämlich „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das der Tag an dem Maria gezeugt wurde… (Ich weiß nicht, ob es erlaubt ist, dass so zu schreiben, also korrigiert mich gerne.) Ihr habt den Tag in DT  nicht frei, weil nun ja… der Anlass in seinem historischen Ursprung umstritten ist. (Für Interessieret: https://www.schnelle-online.info/Feiertage/Maria-Empfaengnis.html)

Da wir dieses Wochenende allerdings durchweg arbeiten, bin ich sehr dankbar über den Feiertag und nutze meine Faulenzzeit um ein wenig zu berichten.

Ich glaube, heute ist der erste Tag, seit 2 Wochen, an dem es nicht regnet. Wir hatten sogar mal Flocken-ähnliche Gebilde, aber das Zeug blieb nicht liegen.

So richtig viel passiert ist ansonsten nichts, keine Reisen oder Ausflüge. Dennoch habe ich wieder viel über dieses Land gelernt. Moldawien hat nämlich eine große Marktlücke, und zwar Weihnachtsbäume. Die Vegetation des Landes ist von Natur  aus eigentlich von Laubbäumen geprägt, durch die Umwaldung für die landwirtschaftliche Nutzung, die ihren Höhepunkt zu Sowjetzeiten hatte, sind nun nur noch ca. 10 % des Landes von Wald bedeckt. Wenn man bedenkt, dass das Land nur ca. so groß ist wie Nordrhein-Westfahlen, ist das wirklich wenig.

Aus diesen Gründen wird die Bevölkerung dazu angehalten, die wenigen Nadelbaumbestände in Ruhe zu lassen und dafür Plastikobjekte zu erwerben. Ich versteh das. Und dennoch, kommt das Fast-Erzgebirgskind in mir durch: immerhin duftet so eine Nordmanntanne so gut 🙂

Unser Keksverkauf lief erstaunlich gut. Zwar wissen wir nicht, wie die Leute sich das leisten können, da aber vor allem russischsprachige die Messe besuchten, gehen wir davon aus, dass es die Gessergestelten waren. 2200 Lei kamen beim ersten mal zusammen. Morgen sind wir dann wieder beim Backen und Sonntag beim Verkaufen. 🙂

Doch darum geht es gar nicht. Auf dem großen Platz der Stadt, dem Stefan cel Mare Platz, wo auch bereits das Weinfest stattfand, wurde vorigen Mittwoch ein großer echter Baum aufgestellt, worüber wir uns riesig freuten. Dieser war importiert, aus der Ukraine. Nun wurde uns erzählt, dass man nach drei Stunden den Baum wieder abbaute. Es war den Moldauern wohl zu kahl. Ob das daran liegt, dass sie von den Plastikbaummaßstäben verwohnt sind, weiß ich nicht. Nur, dass jetzt doch ein moldawischer Baum daran glauben musste, und nun den Hauptplatz ziert.

Das Einkaufszentrum Malldova ist eigentlich ganz hübsch dekoriert

Ab und an geben auch Alban und ich unser Stubenhockerdasein auf, und mischen uns unter die Freiwilligen. Diesmal gleich 2 mal.

Am Dienstag zu english over beers lernten wir einen Moldauer kennen, der seit 12 Jahren in Griechenland wohnt. (Das macht gar nicht neidisch, zu hören, dass er durch Kreta tourt) Ich kann euch leider nicht seinen Namen nennen nur seinen Beruf. Das liegt daran, dass man sich unter Freiwilligen nicht mit Namen vorstellt. Die merkt man sich nämlich eh nur dann wenn man sich öfter sieht. Die erste Frage ist im: Hello, wo her kommst du, was arbeitest du?  Ich find das schön. Der gemeinsame Nenner ist nämlich Moldawien, ein Land was man gemeinsam kennen lernt.

Da unter ein wenig Alkoholeinfluss Englisch tatsächlich leichter wird, erzählte der moldawische Grieche über sein Heimatland. Wir wollten wissen, ob die Republik eine Zukunft in der EU hat. So erfuhren wir, dass ca. 1,5 Millionen Einheimische bereits den rumänischen Pass haben. Das ist fast die Hälfte des Landes. Um diesen Pass zu erwerben muss man nämlich nur angeben, dass man Großeltern oder Urgroßeltern hatte, welche in der Zeit auf dem Gebiet  des heutigen Moldawien lebten, als es mit Rumänien eins war. Trotz, das quasi die Hälfte des Landes sich stark zur EU hingezogen fühlt, ja sogar einen Pass eines Mitgliedslandes hat, dennoch ist der russische Einfluss verknüpft mit der Vergangenheit sehr stark. Dabei fliesen die Gelder Russlands vor allem in die Medien wie Radio und TV Sender. Anstatt in Hilfsprojekte oder Unterstützungsversuche. Einige Busse und die Computer des Migrationsamtes sind z.B. EU-gesponsert um die Infrastruktur zu stärken.

Apropos Migrationsamt, dort waren wir letzte Woche um nun vorerst eine Überganggenehmigung zu haben. Nach dem man unsere Fingerabdrücke und ein hübsches Foto von uns genommen hat gehört unsere Seele jetzt offiziell dem Staat Moldawien 😉 In einem Monat können wir unsere Karte für das Bleiberecht abholen. Am vorgegebenen Datum sind wir nur leider gar nicht da, da sind wir In Bukarest zum Silvester feiern.

Wie bereits weiter oben erwähnt, mischten wir uns unter die Leute. Das zweite Ereignis war die Sammelgeburtstagsparty einer Freiwilligen-WG wo auch Justine wohnt.

Es gibt ja bekanntlich immer diese Spezies auf Partys die sich hinter ihrem Glas verstecken und sich nur zaghaft von Stuhl 1 auf Sitzbank 2 bewegen. Dazu gehöre ich nicht. Ich gehöre zur Kategorie „Patyverweigerer“ weil… keine Ahnung. Mir gefällt meine Einsamkeit ganz gut. Aber die Einladung abschlagen ging natürlich  nicht, also sah ich es al Sozialexperiment. Das ist auch der Grund warum ich euch das erzähle. Es kann nämlich sehr wertvoll sein, mal die Stadtviertelgrenzen zu überschreiten.

Wir wohnen am einen Ende der Buslinie 22 und Justine am anderen Ende. Also nahmen wir eine 22 (die am Samstagabend nur noch sehr spärlich unterwegs sind) und machten uns auf in einen der Neubauriesen.

Zunächst wurden wir Zeuge  von Fahrerfluch … Kein Wunder, dass hier kein auto ohne Beule ist.

Der Neubaublock war dunkel und der Fahrstuhl roch nach Hasenmist. Außerdem musste man über eine Art Balkon eine Treppe ohne ohne jedes Licht erklimmen um die WG zu erreichen. Umso überraschter waren wir über eine sehr schöne Wohnung im inneren des Blockes. Vier Freiwillige haben alle ihr eigenes Zimmer, einen Balkon und eine geräumige Küche, die bald mit sehr vielen jungen Leuten aus ganz Europa gefüllt war. Da war es wieder- das Gefühl von Internationalität, von Freunden fernab der Heimat und von Gemeinschaft.

Die Kronenkinder hatten Geburtstag

Spätestens nach dem 2. Glas Wein, hatte auch ich meine Sozialphobie los und Justine unsere sonst immer schlechtgelaunte Freiwillige entpuppte sich als gute französische Gastgeberin.

Gute Qualität 🙂 Wer findet die Franci?

Und dennoch: Ich vermisse die leisen Abenden in DT mit Freunden die man schon ewig kennt… Gerade jetzt in der Weihnachtszeit wünsche ich mir manchmal Besuch in unserer Wohnung und jemand der mal einen Lebkuchen mit mir teilt.

Der kam diese Woche mit dem langersehnten Packet. Wie wir heute rausgefunden haben, ist nicht die DHL schuld an der langen Lieferzeit sondern die moldawische Zustellung. Das Packet ist schon seit 14 Tagen in Moldau und konnte angeblich nicht zugestellt werden.

Auch die Arbeit bereitete in der letzten Zeit wieder etwas Freude. Justines Organisation stellt die Füllung für den Sockenadventskalender (auch eine Marktlücke) zur Verfügung. So gibt es für einer unserer bunici jeden Tag ein Paar Socken gefüllt mit Tee, Seife, Bananen oder Apfelsinen und natürlich Schokolade.

Unser Adventskalender – die gleichen Socken haben wir zum Nikolaus geschenkt bekommen. Gute deutsche Qualität 🙂 Made in Germany ist hier nämlich sehr beliebt

Im Kindergarten bin ich nun immer von 15:30 bis 18:00 Uhr. Ich finde den Aufbau immer noch toll. Wenn ich um 15:30 komme, darf ich viele kleine verschwitze Krümel wecken und anziehen. Danach gibt es im Speisesahl ein Nachmittagssnack. Ich versuche im Januar mal Bilder zu machen… 🙂

Die Erzieherinnen sind auch in der Gruppe „mica“ sehr nett. Trotzdem musste ich gestern stark den Drang unterdrücken einfach wegzulaufen. Ich wäre gern Teil dieser Erziehergruppe. Aber ich kann nicht. Während mein Englisch immer besser wird, ich teilweise in Englisch denke, kommt mein Rumänisch nicht auf Touren. Ich schäme mich dafür. Aber diese verflixte Sprache hat nur Ausnahmen. 🙁

Im Januar geht es für uns Auf Reisen. Zum Zwischenseminar fahren wir nach Lviv (Lemberg) in der Ukraine. Darauf freue ich mich riesig. Zum einen weil die Stadt „Paris des Ostens“ ist und zum andern weil es sicher schön wird, von den anderen ICE- Freiwilligen zu hören.

Doch bis Januar ist noch Zeit. In 14 Tagen ist Weihnachten, und ich denke, wir hören uns im Neuen Jahr wieder.

Bis dahin: Allen eine gesegnet Adventszeit und ein fröhliches Fest.

Ich gehe jetzt Plätzchen backen 🙂