Heute lade ich euch auf einen Spaziergang durch eine wunderschöne Stadt in Rumänien ein.

Also, Schuhe an und los geht’s!

Dank neuster Technik wartest du mit deinem Online-Ticket, deinem Pass und deinem Koffer auf das Taxi, welches dich zum Gara Süd bringen soll. Der korpulente Mann in Jogginghosen spricht nur Russisch, aber das passt schon, es ist schließlich Urlaub.

Im Taxi gibt es keinen „Stöpsel“ für den Gurt. Während du noch darüber nachdenkst, ob das Ding wirklich „Stöpsel“ heißt, wirst du von einer russischen Komedieserie abgelenkt. Im unteren Bereich der Frontscheibe

_ist ein Tablet befestigt, welches lautstark zur Unterhaltung deines Fahrers beiträgt. Spätestens nach der ersten Vollbremsung ist dir so übel, dass du nur noch an dein Frühstück denkst…

Am Gara angekommen erwacht die Urlaubsfreude:

Orthodoxe Kirche- Von außen hübscher als von innen, da es meist sehr dunkle Räume sind

Raus aus der grauen Hauptstadt, wir lassen die grauen Schneeberge,welche die Straßen zieren, hinter uns.

In wahrer Vorfreude auf Frühling in Iasi (gesprochen übrigens Iasch) nimmst du die ätzende Grenzkontrolle und die Hygiene der Toiletten hin.

An der erstbesten Haltestelle in Iasi, die ehemalige Hauptstadt Moldawiens, entfliehst du den Bus.

Es ist Frauentag. Überall Mädchen mit Blumen. Doch es ist keine Zeit sich über den Valentinstag 2.0 aufzuregen. Es ist so warm wie noch nie im Jahr 2018, und die Sonne taucht die alten Fassaden in ein warmes Licht.

Die Straßenbahn rattert an dir vorbei. Wenn du die Stefan cel Mare Straße entlang flanierst kommst du an den schönsten Bauwerken der Stadt vorbei. Höhepunkt ist der Kulturpalast in seinem neogotischen Stil.

Am Abend kannst du den Straßenmusikern zuhören und wirst Zeuge eines interessanten Spektakels: drei Roma Kinder sitzen verteilt auf dem langen Boulevard. Sie betteln. Die Leute geben ihnen nicht aus Herzensgüte sondern aus schlechtem Gewissen. Wer sich gerade eine Pizza einverleibt hat und dazu einen Wein fühlt sich nicht gut beim Anblick dieser Kinder. Doch Geld ist nicht das, was sie brauchen. Ihre Nike-Schuhe, die Kopfhörer wo kommt das alles her? Wie kann man ihnen das geben, was sie wirklich brauchen: Bildung? Wollen sie das überhaupt? Sie scheinen die Abende zu genießen, letztlich sind sie auf ihre Art frei. Doch: da kommt eine Streife. Zwei Polizisten mit dicken Bäuchen schlendern die Straße hinunter. Es ertönt ein Pfiff von Kind Nr. 1 und schon rennen 6 kleine Füße über den Asphalt in die Dunkelheit hinein. Die Polizisten haben die Kinder auf ihrer schiefen Flöte gehört, doch sie hegen kein Interesse daran, sie jetzt zu verfolgen. Das Gesehene wird dich zum Nachdenken bringen._

Immer wieder kommt ein neuer Frühling…

Wer braucht Blumen zum Frauentag, wenn er einen ganzen botanischen Garten haben kann?

Auch wenn noch nichts blüht, kannst du beobachten, wie die Welt erwacht. Du stapfst durch den Matsch und den letzten Schnee, den die Sonne noch nicht aufgeleckt hat. Über 80 Hektar erstreckt sich der Garten. Du siehst Eichhörnchen, die ersten Bienen und vor allen : keine Menschen. Im deinem Kopf summt das Kinderlied: „Immer wieder kommt ein neuer Frühling, immer wieder kommt ein neuer März“.

Wenn du langsam zurück von diesem stillen schönen Ort musst, ist das “ La noi“ das richtige Bistro für dich. Die Besitzerin spricht super Englisch, hat Tee und Tiramisu für dich und Wlan gibt es nicht. Gut so.

Mache nicht den Fehler und gehe in die Shoppingmall hinter dem Palast. Hier ist es laut, teuer, und voll. Aber im Park davor kannst du dich in eine vergangene Zeit voller kulturellen Reichtum zurück ziehen.

Dann endet der Spaziergang. Nach zwei Nächten musst du zurück in den kleinen stickigen Bus. Doch der Busfahrer kann dir deine gute Laune von der Sonne und einer lebendigen Stadt nicht nehmen. Vielleicht erschlagen dich dann die Hochhäuser in Chişinău wieder, doch es war Frühling, zumindest für drei Tage.

Im Kindergarten herrscht eine Pockenepidemie: WINDPOCKEN!!!

Ich war noch nie so glücklich über Pocken. 🙂  Nein, ich gönne das keinem. Weder Eltern noch Kindern. Aber meine Gruppe, in der ich Montag und Dienstag bin, schrumpfte von 20 auf acht Kinder. Es gibt einen Grund, weshalb wir in Deutschland versuchen, einen Erzieherschlüssel durchzusetzen.  Plötzlich war all die Anspannung von Domna T. verschwunden. Sie ist eine der besten Erzieherinen. Wir unterhalten uns auf einer Mischung von Englisch und Rumänisch. Sie gehört zu den wenigen (genau 2) die im Kindergarten Englisch sprechen, und ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie mir hilft. Auch die Kinder, vor allem die 8 der letzten Tage helfen mir jetzt. Ich habe sie nämlich geködert. Mit einem selbstgebastelten Memory. Damit kann ich super Sprache lernen und den Kindern ein paar deutsche Wörter wie “ Apfel“ oder „Mond“ beibringen.

Domna T. hat gemerkt, dass sie mich alleine lassen kann. Ich habe festgestellt: ich helfe am meisten, mit kleinen Dingen. Eigene Projekte sind überhaupt nicht notwendig. Flexibel, belastbar, kreativ, innovativ, begeisterungsfähig, teamfähig und äh… kreativ! ( Mark Uwe Kling ) Genauso hätte ich mich beschrieben. Aber: du musst das auch beweisen können. Und ich glaube, langsam schaffe ich es. Diese Woche habe ich nämlich das erste Mal im Kindergarten gehört: „Du bist mir eine große Hilfe“.  🙂

Viele Menschen hassen ja den Montag, aber ich habe etwas auf was ich mich freuen kann. Ich bekomme 30 Minuten in der großen Gruppe. Diese lernten mich letzte Woche kennen und bewiesen mir ihre Englischkünste in dem sie mir alle “ I love you“ sagten. Vielleicht kommt euch solch eine Begrüßung etwas übertrieben vor. Glaubt mir, es war noch unangenehmer als es sich anhört, wenn dich eine Gruppe fremder Kinder umarmt, aber zum einen war es ein guter Start und zum anderen, wissen wir ja, dass Moldauer sehr  rituell und gefühlsvoll sind. Wahrscheinlich war es die einzige richtige Entscheidung mir für den Studiengang Soziale Arbeit zu bewerben. Menschen sind etwas Tolles, auch wenn ich manchmal vor ihnen fliehe.

Jetzt brauche ich Spielideen für meine großen Kids. Wer also Anregungen hat: immer her damit!!

Schwarzmarkt: Während  der elften Klasse, lernte ich, wie Essen für Senioren besonders gut ist: Nicht zu viel Salz, klein, weich- Moldawien haut all das über den Haufen. Häufig gibt es Hühnerschenkel, denn Huhn ist billig. Dazu einen Hirsebrei (igitt) und eine Soße ( lecker). Die bunici knabbern also an den Knochen herum, und es ist bereist passiert dass wir mal kräftig auf den Rücken hauen müssen. Doch die Menschen lieben dieses Essen. Danach wird nämlich gedealt. Die Knochen werden vom Nachbarn gehamstert. Angeblich alles für die Hunde. Bei 90% stimmt das auch, aber auf Grund der geringen Rente, könnte ich mir gut vorstellen, dass der ein oder andere Knochen ausgekocht wird.

Diese Kirche hat eine besondere Außenwand…

Ich denke, weil der letzte Blog so lang war, reicht das für heute. Nächstes Mal erzähl ich dann vom Theater.

Bis dahin: Pa Pa 🙂 (Tschüss  auf Rumänisch)