Es scheint als hätte jemand an der Uhr gedreht, denn es ist schon wieder ein Wochenende um, an dem eine Woche hing und ich weiß nicht wie ich all das anhalten kann. Nach dem die letzte Woche das Leben etwas stagnierte, versuchte ich diese dieses Land wieder in meine Hände zu bekommen.

Die EU Flaggen werden nicht allen gefallen. Man sieht die Unstimmigkeit. EU Flaggen werden neben Sowjetabzeichen verkauft.

Ich hätte ja schon Lust auch so gut tanzen zu können. Hier sieht man auch die Trachten die noch von vielen mit in den Alltag integriet werden

Ich fühle mich wohl, weil ich in einer geschützten Blase lebe. Ich bekomme Hilfe von vielen Menschen und dennoch ist es eine Parallelwelt. In Deutschland werden die Menschen die die Sprache wenig beherrschen kritisch beäugt. Warum ist er/sie hier wenn sie nicht mal den richtigen Geldbetrag versteht? Mich unterscheidet davon nur der Status,hinter mir steht immerhin eine Organisation, ein Ziel. Doch manchmal fühlt es sich sehr ungerecht an. Ich werde dieses Jahr nicht nur helfen, sondern auch lernen müssen, selber Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Leider geht es nicht so richtig vorwärts. Unser wichtiges Dokument scheint wohlbehalten in Moldawien gelandet zu sein (nach 14 Tagen, dabei versprach die Airmail doch 3-5 Tage) und muss nun nur noch den Weg zu uns finden.

So sehen die Bunici durchaus auch in echt aus 😉

Den Weg hierher fand diese Woche auch eine ehemalige Freiwillige. Es ist immer wieder schön, Menschen zu treffen die diese Erfahrung hier mit dir teilen. Allerdings erfuhren wir so, dass in der Casa Providentei nicht alles so lieb familiär ist wie es scheint. Wie freiwillig ist unsere Mentorin eigentlich gegangen? Seit 2013 sind es nun immerhin 3 Personen die diesen Posten innehatten… Ich will darüber nicht näher erzählen, weil Gerüchte nicht weiterhelfen und es Datenschutz gibt, aber beschäftigt hat mich das schon. Wir wissen aber auch, dass es sehr viel lockerer geworden ist. Immerhin hat uns bisher keiner gesagt, dass wir bis 22:00 wieder zuhause sein müssen und dass wir zusammen leben ist ein unschätzbares Privileg.

Um unseren Arbeitsalltag etwas besser zu nutzen (oft haben wir ca. 1 1/2 wenig zu tun) beschlossen wir, einige Aktivitäten zu planen. Nun steht Salzteigbasteln, St. Martin- Projekt und Backen auf unseren Plan und warten nur noch, in die Tat umgesetzt zu werden. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, mit auf Hausbesuch zu gehen.

Senioren, die nicht mehr mobil genug sind um in unsere Kantine zu kommen, können Hilfe über diese Besuche bekommen. Mehrmals in der Woche werden so Menschen besucht die teilweise richtig weit außerhalb des Stadtkerns leben. Diesen Freitag besuchten wir 2 Frauen. Bunici Nr.1 war vor einem Jahr erblindet. Dennoch lebt sie alleine in ihrer Wohnung und wird quasi zur Selbstständigkeit gezwungen. Mir ist es ein Rätsel wie sie es schaffte sich Kartoffeln ohne Hilfe zu kochen und die Wohnung war sehr sauber und ordentlich. Dennoch spürte man die Armut. Drei verschiedene Tapeten waren in der Küche zusammengeflickt und es war viel zu kalt für die Frau.

Auch bei Bunici Nr.2 war eskalt und zugig. Das Gebäude wäre in DT wahrscheinlich nicht mal eine Sozialwohnung wert. Dennoch erschreckt es mich, dass es mich nicht mehr wundert bzw. stört. Der Anblick dieser kastenförmigen Baracken ist mittlerweile Norm und erscheint schon lange nicht mehr furchteinflößend. Amüsant war, dass diese Frau doch tatsächlich ein wenig Deutsch sprach, da ihr Mann aus Dresden stammte. Tja, die Welt ist ein Dorf.

Hilfe vom Staat gibt es kaum. Die wenigen Altersheime werden zwar genutzt, aber die meisten Senioren wollen ihre Wohnung, ihr Geld und ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben. Kinder sind letztlich eine Altersvorsorge, auch wenn man sie kaum zu sehen bekommt, weil die meisten im Ausland leben.  Es fehlt an einer Infrastruktur die diesen Teil der Gesellschaft erreicht. Der Casa fehlt die Kapazität sich um alle zu kümmern und so sind viele Senioren sehr einsam und auf sich gestellt.

Plötzlich tanzen wildfremde Menschen jeden Alters zusammen 🙂 Ich liebe diese Spontanität und Fröhlichkeit

Zur Kultur 😉 : Eigentlich wollten wir dieses Wochenende eines der Denkmäler besuchen, doch es war Stadtfest in Chişinău. 581 Jahre ist die Stadt geworden und der Schwerpunkt des Festes liegt auf der Kultur des Landes. Überall sieht man die Trachten und hört die typische Musik. Während es bei uns vor allem Süßigkeiten gäbe, gibt es hier FLEISCH. Am Ende ist man selbst geräuchert und die Taschen voller Honig und anderen Leckerrein. Langsam bekommen wir auch den Dreh raus, wie wir man an Essen und Kostproben gelangt 😉

Diese Feste helfen mir, die Leute und ihre Mentalität zu verstehen. Jedes Mal wenn ich frage: „Do you speak english?, erscheint auf dem noch so mürrischem Gesicht ein schüchternes Lächeln : „No, but show me,what you want.“

Nö Nutella, du bist mir hier zu teuer 😛

Schöne Architektur, die langsam zerfällt

Manchmal weiß ich nicht, wie sehr ich mich anpassen darf. Mittlerweile gehen wir Sonntag einkaufen einfach weil es bequem ist und die Regale da Ausnahmsweise voll. Dabei war ich es doch, die es als nicht notwendig ansah, auch noch sonntags Menschen zur Schichtarbeit zu zwingen.

Auf der anderen Seite, macht mich dieses Systemen mit unter einfach wütend. Ich suche seit 14 Tagen einen Schuhladen um meine Füße vor dem Erfrieren zu schützen. Aber es gibt nichts zwischen Edelgaloschen und Chinatretern. 🙁 Diese Feste, die den ganzen Verkehr lahm legen, zeigen mir, dass Deutschland alles sehr viel ernster nimmt, was seine Vorteile haben kann. Aber dieses Flair von Unbeschwertheit in einem Land in dem nichts unbeschwerlich ist, macht Moldawien zu etwas, was den Titel „hässlichstes Land Europas“ nicht verdient.

In diesem Sinne: eine schöne Woche. Mal sehen ob ich es durchhalte, jeden Sonntag zu berichten. Vielleicht nur noch jeden zweiten, damit es spannend bleibt.  Hier noch zwei kleine Videos 🙂