Salut 🙂 und Hallooooo zum neuen Beitrag.

Ich habe mir ja versprochen, hier wirklich ehrlich zu sein und auch mal ein paar Tiefpunkte zu schildern. Nun ist das in der Umsetzung nicht so leicht wie gedacht. Und dennoch will ich euch hier einige kleine Geschichte erzÀhlen die mich in ein paar Jahren vielleicht zu Lachen bringen, im Moment aber eher zum Verzweifeln.

PĂ€dagogik fand ich in der Schule ja ein super interessantes Fach. Leider lernt mensch darin vor allem deutsche Werte. Wie wir alle wissen, die die Pisastudien der deutschen Schulen mitbekommen, sind wir bei weitem nicht perfekt. Es gibt LĂŒcken zwischen Armen und Reichen, Akademiker oder Arbeiterelternhaus. Dazu kommt der akute Mangel an FachkrĂ€ften
 Ich will hier trotzdem berichten, dass es da Dinge gibt, die wir sehr schĂ€tzen dĂŒrfen.

Wie bereits vor lĂ€ngerer Zeit berichtet, arbeite ich derzeit in der Kita, welche in der Theorie fantastisch ist. Es ging 4 Gruppen mit ca. 20 Kindern und fĂŒr so wenige Kinder eine Menge Platz. Ist dein Aufenthalt aber nun lĂ€nger als ein werbender Rundgang mit deiner Chefin, siehst du, dass nicht alles Gold ist, was glĂ€nzt. Hier meine Geschichten der letzten zwei Wochen.:

Examen: Nach der RĂŒckkehr aus der Ukraine war ich voller Enthusiasmus fĂŒr Projekte. Nun wollte ich wissen, wie ich diese den umsetzten könnte und erzĂ€hlte meiner Chefin Rodica, dass ich bisher noch kein Zeitfenster entdeckt habe, wo Spiele wie Memorie oder Feuer, Wasser, Sturm möglich seien.

Sie erklĂ€rte mir Folgendes:  Kinder im schulfĂ€higen Alter mĂŒssen ein Examen, ein Test bestehen. Dies ist allerdings nicht zu vergleichen mit der Schuluntersuchung bei uns. (DĂŒrfte schon an der Namensgebung „Examen“ erkennbar sein) Die copiis (moldawisch fĂŒr Kinder) mĂŒssen zu Schulbeginn eine Reihe Gedichte und Lieder kennen und beherrschen. Sie mĂŒssen weit zĂ€hlen können, große Buchstaben lesen und schreiben können, Zahlen lesen (also das ist eine 8 ) können und vor allem diszipliniert sein in Zuhören, Ausmalen, Verbinden und Stillsitzen. Meine Gruppe mit den Kleinsten hat gerade das Thema Straße und Verkehr. Am Freitag 16:50 leimte ich also mit den DreijĂ€hrigen Ampeln zusammen. In Gedanken war ich bei meinen Freitagen im Kindergarten: Da durfte Mama oder Papa mal eher nach Hause, oder man war Mittagskind. So etwas ist bei uns super selten.

Nun wurde mir das Angebot gemacht, ich könnte  Spiele spielen in der Zeit wo auch regulĂ€r „Play time“ ist. Das Problem: Auch bei Spielen wie Memorie muss man sich konzentrieren. Ich weiß noch nicht, ob ich die Kinder wirklich dazu nötigen will, noch mehr unter Leitung zu stehen. Die Anspannung vom Stillsitzen fĂ€llt richtig ab wenn sie mal 30 Minuten Zeit haben zu toben
 🙁

Übrigens: sollte man dieses Examen nicht bestehen kommt man auf eine andere Schule. „Than they have a stamp“ meinte Rodica
 Sie haben ihren Stempel mit 6 Jahren bereits weg.

Die Unangepassten: Es gibt sie ja ĂŒberall: die Überflieger. Bei mir sind das die MĂ€dchen und Jungen, die mit 4 Jahren bis 20 zĂ€hlen und malen wie kleine Picassos. Manchmal gibt es sogar TrĂ€nen, wenn das Bild (es wir jeden Tag was ausgemalt, alle auch das gleiche )  noch nicht perfekt fertig ist. Nur was ist, wenn du anders bist? Wenn du Ausmalen nicht magst? Lasst mich von Otto erzĂ€hlen. Otto heißt in Wirklichkeit anders, ich beachte den Datenschutz. Otto, den Namen gibt es auch nicht, denn hier heißen die Kinder Vlad, Damian oder Ion. Otto ist ein kleiner Junge von geschĂ€tzten 3 1/2 bis 4 Jahren. Otto kann: trĂ€umen, spielen, trĂ€umen, toben, trĂ€umen,  laufen, in der Welt rum gucken, sich die HĂ€nde waschen und trĂ€umen. Otto hat Probleme:  zuhören, malen, anziehen, sich beeilen, ausschneiden, verstehen, aufmerksam sein, ordentlich sein usw. Wenn Otto malt sind all die andern Kinder viel schneller. Und es sieht bei ihm auch nicht so aus wie bei den anderen. Ob ihn das stört? Wer weiß. Es ist viel besser wenn er den andern zugucken kann. Oh und die Bilder an der Wand sind so bunt
 Manchmal kommt dann das MĂ€dchen mit den wuscheligen Haaren und nimmt ihn auf den Schoß. Otto versteht sie nicht, sie redet aber eigentlich auch nicht viel. Aber er mag es mit ihr Quatsch zu machen. Quatsch machen, dass kann das MĂ€dchen gut.   Das MĂ€dchen will Otto helfen. Doch Otto will keine Hilfe. Es ist ihm egal, ob die Gesichter aufgeklebt sind. Es ist auch egal ob die Nase auch blau ist, wie die Augen. Otto versteht nicht,was er da ausmalt. Die Haare des MĂ€dchens kitzeln. Es gibt auch noch Domna T. und Domna V. aber die schimpfen nur oder sie nehmen Otto das Heft weg. Manchmal machen sie auch Ottos Arbeit fertig, dann sieht es zumindest so aus, wie es muss. Das Heft wird ausgelegt, damit alle Eltern von allen Kindern alles sehen können.

Was passiert mit Otto wenn er in die nĂ€chste Gruppe kommt? Dort ist kein MĂ€dchen, was Quatsch macht. Vielleich haben Ottos Eltern viel Geld. Er hat zumindest immer kleine Pullunder und Jeans an. Dann hat er vielleicht GlĂŒck und kommt auf eine gute Schule. Aber alle Kinder haben hier gute Kleidung an. Was wenn er es nicht schafft? Was passiert mit all den Kindern? Ich glaube, jeder hat einen Otto in sich. Und jeder Otto verdient eine Förderung.

Neben Otto gibt es da zwei kleine MÀdchen, sie sind selten anders. Sie hören zu. Legen ihre HÀnde auf den Tisch wenn es gesagt wird. Sie malen ordentlich. Aber mit links. Mit links malen geht prima. Aber schneiden, schneiden geht nicht. Das MÀdchen was nicht spricht, hat das verstanden. Doch die Schwester dachte, das MÀdchen will die Kinder zu RechtshÀndern erziehen. Dabei wollte sie nur LinkshÀnderschere. Es gab keine. Bei 20 Kindern konnte das MÀdchen auch nicht Domna T. fragen, die war nÀmlich heillos gestresst.

An diesen Tag, machte das MÀdchen keinen Quatsch mit den Kindern. Es war streng, bissig und wollte sich am liebsten verkriechen. Helfen kann sie nÀmlich weder Otto noch den LinkshÀndern.

Mauerfall: Ich bin ja nicht auf dem Mond, daher habe ich den Gedenktag am 5.02.2018 mitbekommen.  Die Mauer zwischen der DDR und der BRD war nun genauso lange weg, wie sie einst stand. Ich finde diesen Tag sehr wichtig, den fĂŒr mich war es unbegreiflich was das doch beides fĂŒr eine lange Zeit war. 28 Jahre verschiedene Entwicklung und ebenso lange um sich wieder zu vereinen. Eigentlich spilete fĂŒr mich es nie eine große Rolle, ob ich nun zu den neuen BundeslĂ€ndern gehöre. Erst, als ich mich ab und an mit Nachrichten beschĂ€ftigte, bemerkte auch ich, die Muaer in unseren Köpfen. Ich bin keine Deutsche, ich bin maximal EuropĂ€erin, viel lieber Weltenmensch. Mich mĂŒsste das gar nicht interessieren, so weit weg von Dresden. Und dennoch werde ich hier dazu ein paar Gedanken verlieren. Immerhin bin ich mitten in Osteuropa. Derzeit gibt es keinen getrockneten Basilikum und Vanillepudding gab es auch lange nicht. Bananen sind teuer, und ich wĂŒrde alles fĂŒr ein dm oder Rossmann tun. Ach, die guten erste Welt Probleme. ( Ich weiß, dass man das immer noch nicht mit der DDR vergleichen kann, aber das GespĂŒr und VerstĂ€ndnis wird dennoch besser.)

Nun sitzt der ICE in Dresden, aber nicht nur Sachsen kommen zu unserer Organisation, sondern auch Menschen aus Bayern, BadenwĂŒrdenberg; NRW usw. Wisst ihr was komisch war? Bei unserem Seminar viel folgende SĂ€tze ziemlich hĂ€ufig: »Oh lecker, so eine Suppe gibt es in Moldawien auch«   »He, die Ukrainer essen ja Ă€hnlich wie in Albanien, ich weiß wie man das zubereitet« »Gibt es das in Bosnien auch?« »Nicht genauso aber so Ă€hnlich, wird nur anders genannt«

Vor dem Geschichtsmuseum

Uniformen der Ottomanischen Armee im 18.Jh Ich hatte ĂŒbrigens eine Fotoerlaubnis. FĂŒr 2 Personen haben wir somit 2,50 € bezahlt

Aber auch ihr Ossis, was meinst du den mit dreiviertel2? Wann geht es weiter? Um was, um halb 3? Nein, rede ich chinesisch? UM halt
 Es heißt kinesisch. Nein schinesisch“ SĂ€chsisch ist ein komischer Dialekt«_ und noch so einige Unterschiede mehr, da braucht man von einem Rechtenproblem noch gar nicht anfangen.  WĂ€hrend uns die kleinste Gemeinsamkeit unserer GastlĂ€nder nĂ€her zusammenbrachte, waren die Unterschiede unserer deutschen Heimat stark an der Grenze wo der Humor in die Beleidigung geht. Warum? Warum ist das so? Und warum lassen sich Diskussionen ob es nun Pfannkuchen, Berliner, Krapfen oder weiß der Kuckuck wie heißt, nie ordentlich fĂŒhren? Ich habe darauf keine Antwort.

Ich kann meine Heimat schĂ€tzen, sei hinsichtlich sĂ€chsischer Weihnachten oder deutscher Kinderliebe, die den Kleinsten die Freiheit gibt „Kind“  zu sein. Aber deutsch, was ist schon deutsch sein? Wir haben weiterhin eine Mauer im Kopf, also bleibe ich lieber EuropĂ€er, esse Pizza aus Italien, Schnitzel aus Deutschland, trinke Moldawischen Wein und verliebe mich in ukrainische Nachspeisen. Macht alles mehr Spaß als nur ein Sachse oder nur ein Ossi oder nur eine Deutsche zu sein.

Kultur: Leider spielt das Wetter derzeit ziemlich verrĂŒckt. Mal ist es eisig und es schneit, dann wieder frĂŒhlingshaft mit blauem Himmel. Aber das meist sporadisch. Deswegen waren wir im National Museum fĂŒr Geschichte. Es war riesig groß, so dass wir beschlossen haben, Teil 2 ein andern mal zu begutachten. Wir haben uns die Ausstellung ĂŒber Moldawien und die Sowjetzeit angesehen. FĂŒr dieses Thema schreibe ich noch mal separat einen Beitrag, da das sehr interessant aber auch kompliziert ist. Kommt wahrscheinlich nĂ€chste Woche 🙂 Hier schon mal ein paar Bilder.

Ich wĂŒnsche euch ein lustiges Fasching. Esst einen Pfannkuchen/Berliner/Krapfen/ weiß der Kuckuck fĂŒr mich. Ich bekomme hier nĂ€mlich nix groß mit.

Entschuldigt die wenigen Bilder, bei besseren Wetter kommen wieder mehr. Bis bald 🙂