Es ist Sonntag uns ich liege stark im Verzug (es ist 12:09 bei mir), was zwei Gründe hat. Dadurch, dass hier alles so lange auf hat und am Abend ist, mutiere ich zum Langschläfer. Grund zwei ist mein Pflaumenmus.

Da es einfach soooo schwierig ist an all dem leckeren Obst der Basare vorbeizuschlendern, beschlossen wir Mus zu kochen. Leider scheiterte versuch Nr.1 an zu viel Zucker und Nelken. ( Gut, dass ich Zeit ohne Ende habe um noch mal 4kg zu entkernen.) Aber jetzt duftet es wieder und mein Sonntag hat sinnvoll begonnen.

Mhhh lecker der Herbst ist da 🙂

Scheitern war das Motto dieser Woche, was mit der Wahlparty begann. Nach dem auf unserer Einladung die falsche Adresse stand (die Botschaft hat natürlich mehrere Komplexe), trafen wir 20 Minuten zu spät ein. Zum Glück ging es anderen ähnlich und wir vielen nicht so auf. Neben einigen deutschen Freiwilligen war auch eine 12.Klasse eines Gymnasiums mit Deutschunterricht eingeladen. Da es am Vormittag richtig kalt und regnerisch geworden war, musste ich mein Kleid im Schrank lassen und mich für etwas Legeres entscheiden.

Nun stand ich da- zwischen all den piek feinen Mädchen und Jungen im Anzug. Gut, dass ich Verbündete bei den anderen Freiwilligen  fand. Allgemein war die Situation sehr … lustig? skurril? Denn wie verhält man sich unter all den wichtigen Personen? – Gescheitert in der hohen Gesellschaft.

Eröffnet wurde das Ganze mit einem Büfett der besten Art. ( nicht regional, eher klassisch) Zwischendurch schallten die vorläufigen Wahlergebnisse durchs Haus.

Interessant war ein Quiz, bei dem alle anonym teilnahmen. 4 Fragen über Allgemeinwissen zur Wahl und eine Frage: Wen hätten Sie gewählt? Dieses Ergebnis konnte sich blicken lassen: CDU, SPD, Linke, Grüne, FDP aber keine blaue Alternative 😉 .

Später lernten wir den Quizgewinner kennen. Einen jungen Studenten aus Moldawien, welcher in Berlin ein Auslandsemester hinter sich hat und uns etwas von der hiesigen Politik berichtete.

Ich versuche das mal, verständlich in Worte zu fassen: Grundlegend ist es wie in DT: eine Parlament mit Ministerpräsident (wie der Kanzler in DT)  und einen Repräsentanten (unser Präsident). Legislaturperiode 4 Jahre und eine 5% Hürde gibt es auch. Nun ist es aber so, dass man sich zwar für eine Partei wählen lässt und ins Parlament einzieht, passt es einem aber in der Partei nicht mehr, wechselt man einfach. Das heißt aber auch, dass die Regierungspartei stetig wächst. Zuletzt von 20 auf 40 . 2014 wurde die 3 Monate alte Regierung abgesetzt weil 1 Milliarde Dollar in den Banken verschwunden waren. Es ist also ziemlich heikel. Trotz kleiner Hürden war es am Ende ein schöner Abend.

Lacul Valea Morilor

Das Scheitern ging allerdings am Dienstag weiter. Yulia hatte am Montag ihren Abschied mit furchtbar süßem Kuchen gefeiert. (Die Einstellung ist hier etwas anders: während Deutsche lieber selbst backen um Anerkennung für Zeit und Mühe zu bekommen oder etwas beim Bäcker bestellen ist es hier normal eine Torte im Linella des Vertrauens zu kaufen um zu zeigen :Ich leiste mir etwas für euch). Nach dem traurigen Abschnitt versprach sie uns mit der Bürokratie weiterhin zu helfen, auch um Mihai zu entlasten. Also fuhren wir mal wieder zum Migrationsamt. Nach einem intensiven Streitgespräch setzte man uns wieder vor die Tür. Yulias Antwort darauf: “ I hate this stupid country.“ Man muss dazu erklären, dass Yulia sich nur unsertwegen 4 Wochen damit beschäftigen musste, vorher übernahm das ihre Freundin, die bereits gegangen ist. Nun befassen sich auch Mihai und Rodica mit der Bürokratie, was wir eigentlich vermeiden wollten. Leider erging es auch ihnen nicht besser. Donnerstag lief genauso ab wie Dienstag und nun warten wir auf Dokumente aus Deutschland.  Das Problem ist: Ohne diesen Aufenthaltszettel getrauen wir uns nicht, nach Transnistrien zu reisen, weil das alles komplizierter machen würde. Einen Monat haben wir noch zur Verfügung und noch steht die Hoffnung…

Aber genug vom Scheitern.

Berti Botts Bohnen aller Geschmacksrichtungen

Reden wir über die Kultur. Nach dem wir am Donnerstag bis 19:30 Gläser mit Candys befüllten, bastelten und dekorierten, kam am Freitag der “ Elderly Day“. Dazu hatte die Casa eine Gruppe Volksmusikanten eingeladen und wir hatten einen sehr schönen Kulturschock. Unseren Senioren hat es gefallen, und auch wenn es nicht meine Lieblingsmusik ist, finde ich den Erhalt dieser Lieder und der Trachten sehr gut.

Dank facebook stieß ich außerdem auf die „IamareEco“ eine Art Ökolifestyle Messe. Diese Szene findet man in DT ja in jeder Ecke doch hier gibt es dafür kaum Interessenten. Nun könnte man meinen, die Menschen haben doch kein Geld um fair und öko zu kaufen. Doch das ist der völlig falsche Ansatz wie wir feststellen konnten. Fair heißt nämlich hier keineswegs überteuert sondern allen voran regional und einfach. Wir trafen einen Freiwilligen wieder, der uns in der Botschaft begegnet war. Er erzählte uns von seinem Projekt, was mit für die Messe verantwortlich war und zeigte uns wie sie den Menschen hier helfen. Um Nebenverdienste haben zu können, macht dieses Projekt z.B. Schulungen wie man leicht Obst trocknen kann.

Beste moldawische Unterhaltung

Ich fand diesen Ansatz zur Selbsthilfe sehr bemerkenswert. Vielleicht besuchen wir das Projekt mal.

Eingedeckt mit Humus und Seife entdeckten wir den nahegelegenen Park und eine Parallelgesellschaft zur Yoga, -Gemüse, -Veggiwelt. Der Park „Valea Moeilor“ liegt direkt am gleichnamigen See und erinnerte mich an den Barockgarden Lichtenwaldes, Zuhause. Allerdings sah man nur ein was: Bräute. Nach 1o  Stück (keine Übertreibung) habe ich aufgehört zu zählen, weil sie alle so ähnlich aussahen. Eine Hochzeitsgesellschaft nach der andern posierte in diesen Park für Fotos. Unweit davon standen die blankgeputzten Limousinen. Drohnen unterstützen die Fotografen. Was wirkte wie ein Shooting für hochzeiten24.de war echt. Sicher, in den großen Städten bei uns gibt es auch mehrere Trauungen täglich aber so viel Tüll auf einem Haufen sieht man selten. Was das Problem ist: es stank nach Geld. Umso länger ich in diesem Land bin, desto weniger bekomme ich diese Gesellschaft zu fasen.

Auf den Straßen betteln Männer ohne Beine, humpelnd auf einem in Plastik gewickelten Stump. Bürokratische Hürden machen Hilfe schwer und die high society tanzt und fotografiert sich durch das Leben. Die Arbeit in der Casa geht für die meisten keine 8h sondern 10-12h, bei einem Lohn der sich nicht rechnet. Ich verstehe Yulias Ausdruck und dennoch: hassen werde ich dieses Land, dass mir immer wieder verstecktePerlen wie diesen Park präsentiert, nicht.

Leider sieht man den Springbrunnen kaum…

Auch mit der Sprache ging es voran. Tatiana hat gemerkt, dass sie uns mehr bei bringen kann als Rumänisch und erzählt nun immer bereitwilliger vom Leben in Moldawien. Unteranderem vom Essen und von Weihnachten. Nudeln werden hier nämlich mit Feta gegessen, was sehr lecker ist oder aber, für die Kinder: in Milch gekocht. Brot zum Abendessen ist ungewöhnlich, man isst es IMMER dazu. Zu Weihnachten gibt es so viel Fleisch wie möglich. Wir können übrigens zweimal feiern: am 24.12 und am 6.1 dem ortodoxen Fest. Weihnachtsbäume sind zu meist aus Plastik, weil das ja nadelt. Hilfe, ich vermisse doch tatsächlich das sächsische Weihnachten 🙁 .

Aber bis dahin ist noch eine lange Zeit. Zunächst ist Weinfest, nämlich in einer Woche, worauf wir uns schon sehr freuen.

Bis dahin eine schöne Woche, mit und ohne Scheitern, denn dass gehört dazu. 😉